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Vor zwei Stunden sind wir von unserer morgendlichen Runde heimgekommen. Das ist erst einmal nichts wirklich Außergewöhnliches und wenn ich sage, dass wir mit dem Fahrrad zum Baumarkt hin- und zurück gefahren sind, wird daraus auch noch keine sensationelle Nachricht. Für mich ist es aber doch ein besonderer Augenblick gewesen, da ich noch im Juni dieses Jahres dachte, Alma könnte nie wieder neben dem Fahrrad laufen und mich auf diese Weise begleiten. Seitdem Teile von Almas Larynxmukseln den Geist aufgegeben haben, hat das passionierte Lauf- und Jagdtier erhebliche Probleme Luft zu bekommen, wenn sie belastet wird und die Temperaturen die 20°C-Marke knacken.

          Ich habe mich oft gefragt, was Alma wohl antworten würde ...

Also hatte ich das Fahrrad gedanklich in die Ecke gestellt und mich ganz auf die neuen Bedürfnisse von Alma eingestellt. Die Sache hat nur einen Haken: Alma liebt es, am Fahrrad zu laufen. Im Laufe der Jahre hat Alma einen ritualisierten und unverkennbaren Fahrrad-Fahr-Modus entwickelt. Während ich noch das Schloss aufschließe und das Fahrrad durch die Haustür schiebe, hat sich Alma schon auf der richtigen Seite des Fahrrades eingeordnet und warte auf das Startsignal. Wurden die Räder einmal zum Rollen gebracht, verfällt Frau Alma in einen gleichmäßigen Trab, deren Frequenz sie, wenn nötig, bis zum Anschlag erhöhen kann. Die Ohren sind windschnittig nach hinten gelegt, die Augen auf mögliche Hindernisse fokussiert (für den ultimativen Videobeweis bitte hier entlang). Ich habe mich oft gefragt, was Alma wohl antworten würde, würde ich sie vor die Wahl stellen: Das Fahrrad sprichwörtlich an den Nagel hängen oder ein Comeback versuchen?

Die Antwort lieferte Frau Alma selbst, indem sie jedes Mal in freudige Erwartung verfiel, wenn ich das Fahrrad ausführte, sie jedoch Zuhause bleiben musste.

Wenn ich eines diesen Sommer gelernt habe, dann, dass wir einfach mehr auf unsere Hunde hören sollten, auf ihre innere Stimme und ihre Selbsteinschätzung. Zugegeben, nicht bei jedem Hund ist das möglich. Es gibt sie eben auch auf vier Beinen, die gnadenlosen Sich-Selbst-Überschätzer oder durchgeknallten Balljunkies, aber Alma gehört Gott sein Dank nicht dazu. Auf unseren Spaziergängen zeigt sie mir sehr deutlich, wenn sie genug hat. So kommt es auf unseren letzten Abendrunden schon mal vor, dass sie nach dem ersten kleinen Geschäft stehen bleibt und beschließt, die Runde an dieser Stelle zu beenden. Ein Weitergehen ist zwecklos und würde an Almas Sturheit scheitern. Aber warum sich aufregen und auf die Vollendung der Abendrunde bestehen? Alma weiß doch schließlich am besten, ob sie noch einmal muss oder nicht. Wir sprechen unseren Hunden – verständlicherweise – jeden Tag so viel Intelligenz zu und können manchmal nicht darauf vertrauen, dass sie sich selbst in vielen Situationen am besten Einschätzen können! 25°C im Schatten und der Hund verweigert den geplanten Nachmittagsspaziergang? Dann gehen wir eben nicht und bleiben im kühleren Wohnzimmer. Manchmal habe ich das Gefühl, dass uns (ich schließe mich natürlich mit ein) das Vertrauen in unsere Hunde verloren gegangen ist. Wir lesen Ratgeber, stöbern durch Hundezeitschriften und Blogs, diskutieren in Gruppen, holen uns ärztlichen Rat und trainertechnischen Beistand, wollen von den Erfahrungen anderer so gut es geht profitieren und übersehen dabei die kleinen oder auch größeren Signale, die uns unser eigener Hund sendet.

          Veränderungen müssen nicht Verzicht bedeuten ...

Natürlich bedeutet das in der letzten Konsequenz nicht, dass Alma wie in guten alten Zeiten 20 Kilometer am Fahrrad läuft. Ich musste die Strecken anpassen, achte auf die richtigen Distanzen und optimalere Untergründe und richte mich nach Wetter und Jahreszeit. Wir stellen bestimmt auch keinen Geschwindigkeitsrekord mehr auf (obwohl, vielleicht gibt es ja auch einen negativen), sondern fahren sehr sehr gemütlich und legen viele Pausen ein, aber wir FAHREN bzw. LAUFEN, weil sie es einfach liebt!

Am Wochenende bin ich mit Alma eine größere Runde gegangen und wollte anschließend mit meinen Freund ins Café gehen. Alma sollte Zuhause bleiben und schlafen, so jedenfalls sah mein Plan aus. Als wir jedoch in Begriff waren aufzubrechen, hatte Alma bereits die Gelegenheit genutzt und stand schwanzwedelnd im Hausflur. Wir haben sie mitgenommen und einen tollen Ausflug zu dritt gehabt. Alma fühlte sich fit und hat ihre zweite Runde genossen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Tage, an denen sie lieber ihre Ruhe möchte und wir nur kleine Runden um den Block mit ihr gehen. Das ist ok und wir können damit sehr gut leben. Unser Rhythmus hat sich verändert, er ist unregelmäßiger geworden, nicht mehr so sicher vorhersagbar, aber in jedem Fall richtet er sich nach den Bedürfnissen von Alma und IHREM Bauchgefühl!

 

Wir freuen uns darauf, mehr über das Bauchgefühl eurer Hunde zu erfahren!

 

Eure Anja und Frau Alma 

 

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