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Spätestens nach dem ersten Besuch auf der Hundewiese wird klar: So einfach mit den potentiellen Hundefreundschaften wird das nicht! Leiteten einen anfangs vielleicht unbeschwerte Vorstellungen über entspannte gemeinsame Spaziergänge, harmonisch spielende Hunde und einen regen, konstruktiven Austausch über die schönsten Paracord-Halsbänder, wird schnell klar, dass bei so manchem „Hundethema“ die Freundschaft eindeutig aufhört. Zugegeben, anfangs habe ich mir die sozialen Kontakte in der örtlichen Hundeszene weitaus einfacher vorgestellt. In den beinahe acht Jahren mit einem Hund an meiner Seite, bin ich auf eine sehr differenzierte und zum Teil eigenartige Spezies getroffen – dem Hunde-Frauchen. Eine Freundschaft ist in vielen Fällen möglich, aber trotz redlicher Bemühungen nicht immer sinnvoll. Um euch so manch unangenehme Überraschung zu ersparen, haben wir für euch das kleine Einmaleins der Freundschaften zwischen behundeten Zweibeinern aufgeschrieben: Wie immer gilt, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Kategorien fließend sind und es da draußen bestimmt noch unentdeckte Exemplare gibt.

 

Freundschaft ohne Namen

Kennt ihr das auch? Man begegnet sich fast täglich und scheut dennoch die direkte Ansprache, da man zwar den Namen des Hundes, seine Vorlieben, Essgewohnheiten und Krankengeschichte in- und auswendig kennt, den Namen des Frauchens oder Herrchens jedoch bereits in den ersten fünf Minuten des Kennenlernens vergessen hat? Gekonnt überspringt man den Fauxpas, indem man ritualisiert die Anrede „Ihr“, gleichbedeutend für Frauchen und Vierbeiner, verwendet. Wirklich intensive und feste Freundschaften sind in dieser Konstellation fast gänzlich ausgeschlossen, da die Begegnungen zwar regelmäßig stattfinden, jedoch nie fokussiert oder terminlich festgelegt werden. Dieser Zustand währt oft über Jahre, bis eine der Parteien wegzieht oder die Laufrichtung auf der täglichen Morgenrunde ändert.

 

Duellanten – Auge um Auge, Zahn um Zahn

Wer meint, ein Duell zwischen Freunden ist von vornherein kategorisch auszuschließen, hat noch nicht ausreichend Erfahrung in Hundevereinen oder Hundetrainingsgruppen gesammelt. Frei nach dem Motto, es gibt nichts, was es nicht gibt, scheinen Hormone und der wildgewordene Ehrgeiz vieler Frauchens brodelnd überzukochen. Schließlich ist der eigene Fiffi immer der Schönste und Schlauste und das selbstverständlich in jedem Bereich. Und was nicht passt, wird passend gemacht. So einfach ist das. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Begebenheit mit jener Spezies Frauchen. Wir, das waren mit mir zusammen vier weitere Frauchens, hatten uns bei dem besagten Frauchen zum DVD-Abend verabredet. Statt einer erheiternden Komödie, stand die Trainings-DVD von Pia Gröning aus dem Themenbereich des Anti-Jagd-Trainings auf dem Programm. Schwere Kost für einen fröhlich fortgeschrittenen Freitagabend. Ich habe es bereits mehrfach geschildert und es ist bei Weitem kein Geheimnis: Alma jagte zu diesem Zeitpunkt wie eine besengte Sau, wenn sie die Möglichkeit dazu hatte. Als die Filmvorstellung an diesem Abend also für eine kurze Essenspause unterbrochen wurde, platzte es unvermittelt aus dem gastgebenden Frauchen heraus: Alma ist unerzogen! Das saß! Ich bin in vielen Bereichen bestimmt nicht auf den Kopf gefallen, aber Schlagfertigkeit gehört nun einmal nicht zu meinen Stärken. Ich schluckte also meine Empörung erst einmal so gut es ging hinunter. Während ich noch mit dem Kloß im Hals zu kämpfen hatte, verließ das gastgebende Frauchen für eine Zigarette das Wohnzimmer. Just in diesem Augenblick kamen ihre zwei Beagle-Damen ins Wohnzimmer, zögerten nicht lange, sprangen auf den niedrigen Wohnzimmertisch und räumten die Häppchen ab, die liebevoll auf einem Tablett arrangiert worden waren. Alma hätte zu mindestens gewartet, bis keiner mehr im Raum ist.

Duellanten gibt es auf so ziemlich jedem Gebiet. Besonders schlimm ist es im Hundesport und noch schlimmer, wenn der eigene Mischling dort im direkten Vergleich mit einem Rassehund der besten Veranlagung und Arbeitslinie die Nase vorn hat. Ein Duell entwickelt sich meist schleichend und ist anfangs noch gar nicht abzusehen, nimmt aber mit der Zeit immer mehr an Fahrt auf. Meist heißt der letzte Halt dann Endstation Notbremse, Weiterfahrt nicht mehr möglich.

 

Hundezoff am Pilgerweg

Die erste Voraussetzung für eine funktionierende Freundschaft zwischen zwei Frauchen ist die Akzeptanz, aber besser noch die Sympathie zwischen den Vierbeinern. Ohne sie geht es meistens nicht. Kompliziert wird die Sache aber dann, wenn aus einem Ein-Hund-Frauchen plötzlich ein Zwei- oder Drei-Hund-Frauchen wird und die Karten damit neu gemischt werden. Plötzlich herrscht auf den gemeinsamen Spaziergängen nicht mehr nur eitler Sonnenschein, sondern der neue Hund des nun Zwei-Hund-Frauchens möchte dem älteren Hund des noch Ein-Hund-Frauchens ans Leder. Entweder man findet dann zusammen Mittel und Wege, die Situation auch ohne die ständige Gabe von homöopathischen Globuli zu entschärfen, oder aber, die Wege werden sich wahrscheinlicher Weise eher früher als nie trennen. So etwa bei einer lang zurückliegenden Hundefreundschaft unsererseits. Von Beginn an war klar, dass zwischen Alma und der anderen Hundedame nicht die Funken der glückseligen Verliebtheit sprühen würden. Alma war noch weit von ihrem heutigen souveränen Auftreten entfernt und die andere Hundedame bewusst provozierend. Viele kleine Nadelstiche brachten dann eines Tages das Fass für Alma zum Überlaufen. Beide Hundedamen waren freilaufend und ich rief Alma aus dem Gebüsch zu mir. Erstaunlicherweise setzte die sich auch gleich in Bewegung, wurde jedoch von der anderen Hündin daran gehindert, mich zu erreichen. Sie stellte sich Alma in den Weg und versuchte sie wegzujagen. Wenn Alma damals eines nicht gemacht hat, dann lange zu fackeln. Die Hündin trug einen winzigen Kratzer auf dem Nasenrücken davon, der kaum zu erkennen war. Das Frauchen der Hündin aber löste sich förmlich in Besorgnis und Ärger auf, sodass sie noch am gleichen Tag den Tierarzt aufsuchte. Seitdem waren unsere gemeinsamen Spaziergänge überschattet und näherten sich dem Ende entgegen. Aber es geht auch anders und damit kommen wir zum nächsten Stelldichein der Hundefreundschaften:

 

Die Unverwüstlichen

Wir selber können mit stolz sagen, dass wir so eine Freundschaft pflegen und überaus dankbar dafür sind. Den Kern dieser Freundschaft macht die Erkenntnis aus, dass der überwiegende Teil der Hunde eben nicht nur zarte und unschuldige Lämmchen sind und, ähnlich uns Zweibeinern, auch jeder Vierbeiner sein Päckchen und Bündel auf dem Pelz trägt. Alma hat sich mit zwei der drei Hunde einer Freundin schon in der Wolle gehabt und es ging hoch her. Ja, es gab Verletzte, aber keine Toten und nein, wir haben es in diesem Moment nicht kommen sehen oder hatten nicht die Möglichkeit, den Zusammenprall zu verhindern. Und nein, wir waren auch nicht danach sauer auf den anderen Hund oder gar empört über das Frauchen der gegnerischen Mannschaft. Und nein, wir haben uns auch nicht beieinander entschuldigt, weil wir beide noch nie einen fremden (und auch eigenen) Hund gebissen haben und dies auch nicht in naher Zukunft vorhaben werden. Hunde bleiben eben Hunde und auch, wenn ich als Halter versuche, meinen Hund so gut es geht zu erziehen, bleibt ein Restrisiko eben doch bestehen. Die Unverwüstlichen kennen übrigens auch keine Form von Neid oder Eifersucht, wenn es um die kognitiven Fähigkeiten ihrer talentierten oder weniger talentierten Vierbeiner geht. Ist eh Wurscht, weil am Ende des Spazierganges trotzdem jeder sein Leckerchen bekommt.

 

Das virtuelle Poesiealbum

Dank Facebook, Instagram, Pinterest und Co., greift das moderne Frauchen von Welt auch auf Freundschaften jenseits der realen Supervisionen zurück. Nirgendwo sonst trifft man gleichzeitig so viele gleichgesinnte wie auch erbittert gegnerische  Hüterinnen des Lichts. Der Austasuch ist vielschichtig, manchmal gewinnbringend, zuweilen bemüht wie freundlich oder aber spannungsreich und emotionsgeladen. Oberste Regel hierbei ist die Gruppenzugehörigkeit, quasi die Eintrittkarte in den auserwählten Kreis von Windhund-Besitzern, BARF-Verfechtern, Leinenflechtern, fast schon religiösen Anhängern so mancher Erziehungstheorie oder ahnungslosen Erst-Hundebesitzern. Wer sucht, der findet. Zu jedem Topf passt bekanntlich auch ein Deckel. Die Freundschaften sind zwar bis zu einem gewissen Grad oberflächlich, da Begegnungen nur in der Parallelwelt stattfinden, aber oft geprägt von Anteilnahme, Zuspruch und Interesse. Der Vorteil? Unsere Hunde bilden das stützende Fundament, aber wirklich verstehen müssen sie sich nicht. Schön ist es, wenn man doch den letzten Schritt durch die Zauberkugel wagt und seinen virtuellen Freund in der Realität trifft. Macnhmal ist man sich dann bereits näher, als man denkt. 

 

 

Und in diesem Sinne hoffen wir, dass ihr schnellstmöglich den unglaublichen Hulk unter den Hundefreunden findet und euch andere Exemplare galant und ohne großen Aufsehens den Pelz runterrutschen können, schließlich ist die Zeit mit Hund einfach viel zu wertvoll und unsere Nerven nicht immer stark wie Drahtseile.

 

Eure Anja und Frau Alma

 

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