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Wie ist das eigentlich, wenn man plötzlich Herrchen ist, obwohl die eigene Lebensplanung gar keinen Hund vorgesehen hatte? Robert und ich sind seit sechs Jahren ein Paar. Bevor Alma und ich Robert kennenlernten, hatte der mit Hunden so gar nichts am Hut. Ein Gespräch über schrullige Macken, besorgniserregende Blutdruckwerte und schlaflose Nächte.

 

Anja: Robert, bist du jetzt eigentlich mittlerweile ein Hundemensch?

Robert: Puh, gute Frage! Ich denke, ein Jein trifft es am ehesten: Meine Zeit mit Alma hat mich und meine Meinung schon in großen Teilen geändert, mich sozusagen bekehrt. Bevor ich Alma kennengelernt habe, waren Hunde, und da war der Pinscher von meinen Eltern keine Ausnahme, für mich eher nur haarige Vierbeiner, die man füttern, streicheln und ausführen muss.

Anja: Plötzlich ein Herrchen zu sein, ist bestimmt auch gar nicht so einfach. Wie war denn aus deiner Sicht der Start von Alma und dir?

Robert: Speziell! Momente, in denen ich damals die Augen verdreht habe, gab es oft genug.

Anja: Das musst du aber jetzt genauer erklären!

Robert: Zum Beispiel war mir ihre teils ruppige und laute Art zu Spielen nicht geheuer. Da hatte ich wirklich Probleme, die Dinge richtig einzuschätzen und musste mich erst einmal daran gewöhnen. Ebenso daran, dass Alma, nach meiner damaligen Ansicht, mehr ist als nur ein Hund. Sie ist für mich das dritte vollständige Familienmitglied geworden, mit Charakterzügen, Empfindungen, Ausdrucksweisen und schrulligen Macken, die ich mittlerweile recht gut interpretieren kann. Auch wenn ich dir da als Frauchen nicht das Wasser reichen kann.

Anja: Zugegeben, auch für mich war es anfangs gar nicht so einfach, plötzlich nicht mehr mit Alma alleine zu sein. Es gab ja schon Momente, in denen du bestehende Regeln oder Rituale in Frage gestellt hast oder einfach eine andere Auffassung von Erziehung hattest. Zu Beginn bist du ja noch der Überzeugung gewesen, dass Hunde kein Kopfkissen benötigen. Kannst du dich noch an Situationen erinnern, die für dich auch komisch waren oder die du nicht nachvollziehen konntest?

Robert: Der Meinung im Bezug auf das Kopfkissen bin ich übrigens noch immer. Auch wenn ich „weicher“ geworden bin, manche Sachen wollen noch immer nicht in meinen Kopf. Aber das muss ja auch nicht sein.

Anja: Welche zum Beispiel?

Robert: Ich bin der Meinung, dass man auch mal etwas strenger und vor allem konsequenter werden kann. Beispielsweise, wenn Alma wieder nach Futter hummelt, obwohl sie gerade erst den Napf geleert hat. Auch bin ich bei ihrer miterlebten Krankheitsgeschichte unglaublich vorsichtig geworden, sobald sich „Gefahren“ andeuten, spielende Hunde zum Beispiel.

Anja: Die Verantwortung für sie abzugeben, war für mich persönlich schon ein langer Prozess. Zugegeben, am Anfang hatte ich wenig Vertrauen in deine Fähigkeiten als Hundeflüsterer, da Alma damals ja auch noch sehr verhaltensoriginell war. Mittlerweile ist das für mich gar kein Thema mehr und ich empfinde es als Gewinn, dass da noch jemand an meiner Seite ist, der sich so intensiv um Alma kümmert. Gab es eigentlich einen konkreten Zeitpunkt, an dem du dachtest „Ja, jetzt ist es auch mein Hund!“?

Robert: Das war ein - bei ihrer liebenswerten Art - recht schnell verlaufender Prozess. Einen konkreten Zeitpunkt gab es da keinen. Ich „musste“ mich ja mit ihr anfreunden, wenn ich dich wollte.

Anja: Stimmt, uns gab und gibt es nur im Doppelpack! Hast du eigentlich am Anfang darüber nachgedacht?

Robert: Gar nicht! In Anbetracht der immensen Tierarztkosten mag das natürlich naiv gewesen sein, nicht einmal darüber nachzudenken. Aber ich würde es wieder machen, wenn der Hund Alma heißen würde natürlich.

Anja: Wir sind jetzt fast sechs Jahre zusammen und seit April dieses Jahres wohnen wir nun auch endlich unter einem Dach. Inwiefern hat ein Hund dein Leben bereichert oder vielleicht auch auf den Kopf gestellt?

Robert: Nervenaufreibend sind ihre zahlreichen Arztbesuche. Die kosten uns ja beiden die ein oder andere schlaflose Nacht. 

Anja: Wenn ich manchmal mit Alma durch die Prärie streife, denke ich sehr oft, dass ich viele Sachen ohne sie nie entdeckt hätte: den kleinen Flusslauf, die Spuren von Rehen am Wegesrand im abgeknickten Gras, die Elblandschaft ganz früh am Morgen. Hast du solche Momente mit ihr auch schon mal erlebt?

Robert: Na klar! Die Anzahl meiner eigenen Spaziergänge verlief vorher gegen null. Aber diese Momente sind in jedem Fall weniger als bei dir.

Anja: Gibt es eigentlich Situationen, in denen du auf Alma eifersüchtig bist?

Robert: Gar nicht! Nur hast du als Frauchen Eigenheiten, die mir nicht in den Kopf wollen. Das Kissen für Alma oder das abendliche Zudecken sind die besten Beispiele dafür.

Anja: Ich merke aber oft, dass du dich schon verändert hast. Als du neulich nach Hause gekommen bist, war ich die ersten fünf Minuten völlig abgeschrieben, weil du erst einmal mit Alma ausgiebig kuscheln musstest.

Robert: Das mag sein. Und ich bereue es nicht! Nein im Ernst: Was Krankheiten anbelangt, hat Alma im letzten Jahr echt noch eine Schippe draufgelegt. Mir ist bewusst, dass sie nicht ewig bei uns sein wird. Also muss ich das Beste daraus machen und die Zeit mit ihr genießen. Wie nah mir ihr Wohlbefinden auch körperlich gehen kann, habe ich bei einem Arzttermin gemerkt, als Alma gerade im CT lag und es bei ihr potenziell um Leben oder Tod ging. Bei meinen Blutdruckwerten sind meinem Arzt die Augen rausgefallen. Die „Strafe“ war dann eine 24h-Messung, bei der alles in Ordnung war. Also lässt sich das auf das Alm zurückführen.

Anja: Nicht nur da kostet sie dir manchmal Nerven, sondern auch dann, wenn sie mal wieder meint, nicht auf dich hören zu müssen. Treibt dich das eigentlich zur Weißglut?

Robert: Zur Weißglut? Nein, gar nicht. Solche Momente sind ja zum Glück selten und werden vorrangig durch dich heraufbeschworen. Und diesen Kampf kann ich nicht gewinnen.

Anja: Das ist jetzt interessant! Hast du ein konkretes Beispiel?

Robert: Wenn sie bettelt, ich sie in ihr Bett schicke und du das wieder mit Streicheleinheiten untergraben musst.

Anja: Das mache ich doch nur, weil sie so niedlich ist und ich dich ärgern möchte! Wenn du drei Dinge nennen musst, die du durch einen Hund gelernt hast, welche wären das?

Robert: Erstens: Hunde haben wirklich einen, teils schrulligen, Charakter. Zweitens: Die umgangssprachliche Brechstange bei der Erziehung kann auch mal liegen bleiben und drittens: Vertraue niemals einem abgeleinten Jagdhund!

 

Ausnahmsweise hatte mal das Herrchen das letzte Wort. Auch wenn Frauchen alles ordentlich abgetippt hat.

Wer schreibt, der bleibt!

 

Anja und Frau Alma  

Kommentare

Julia (www.mindfuldogcare.com)
07.08.2017 10:46

Haha wie lustig, da habe ich noch nie echt wirklick drüber nachgedacht wie das sein könnte wenn man jemanden kennenlernt der schon einen Hund hat. Schön zu sehen, dass ihr doch so ein gutes Team geworden seit!

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