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Es war ein schöner Sommertag – klarer Himmel, nicht zu heiß und so beschloss ich, Alma auf meine letzte botanische Exkursion im Rahmen meines Studiums mitzunehmen. Zwei Stunden würde unsere Wanderung dauern und ich versprach mir gerade für Alma einen erfüllten Nachmittag. Zum Ausgangspunkt unserer Tour gelangten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Als ich mit Alma an der Haltestelle stand und auf die nächste Straßenbahn wartete, begann Alma auf einmal zu zucken. Ihre Vorderbeine sackten weg, als hätte man ihr den Boden unter den Pfoten weggezogen. Binnen eines Augenblicks prallte sie mit ihrem Brustkorb auf den Gehweg, ohne dass ich ihr hätte zur Hilfe eilen können. Im nächsten Moment jedoch rappelte sie sich schon wieder auf und es schien, als wenn nichts gewesen wäre. Das sollte Almas erster epileptischer Anfall sein.

Anfangs kamen die Anfälle in großen zeitlichen Abständen und waren nichts vorauszusehen, da es einfach keine Anzeichen gab. So schnell sie kamen, so schnell waren sie auch wieder vorbei. Sie suchten Alma zu Hause wie auch auf der Straße heim, in entspannten Situationen abends auf dem Sofa oder auf unseren Spaziergängen. Es schien, als würde Alma für wenige Sekunden die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Gefährlich war es deshalb, weil sie von einer Sekunde auf die andere hinfiel und es mir meistens nicht gelang, sie rechtzeitig zu stützen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht genau auf die einzelnen Tierarztbesuche eingehen, es sei nur so viel gesagt, dass Almas Anfälle nicht die „typischen“ Anzeichen von Epilepsie zeigten: kein Schaum vor dem Maul, keine eigenartige Kopfhaltung, keine auffällige Phasen vor oder nach den Zuckungen etc.

Da sich die Anfälle jedoch häuften, wurde Alma auf Medikamente eingestellt, die jedoch alle nicht die erwünschte Wirkung erzielten. Ich recherchierte stundenlang im Internet und beschloss, nach einer sehr unbefriedigenden Untersuchung von Alma in der Universitätsklinik Leipzig, mich an Frau Prof. Fischer von der Ludwig-Maximilian-Universität München zu wenden. Frau Prof. Fischer ist eine absolute Expertin auf dem Gebiet der Neurologie und schnell vereinbarten wir persönlich einen Termin für eine Untersuchung. Da wir kein Auto haben und auf den Zug angewiesen sind, ist München für Alma und mich ungefähr soweit weg wie für andere Menschen Mallorca. Aus diesem Grund sollte Alma in München gleich alle notwendigen Untersuchungen innerhalb von zwei Tagen erhalten.

Für den Tag unserer Ankunft war eine gründliche neurologische Untersuchung in der Kleintierklinik geplant. Am darauffolgenden Tag sollte Almas Gehirn dann mittels eines MRTs untersucht und eine Liquor-Untersuchung durchgeführt werden. Das Liquor cerebrospinalis ist das sogenannte Nervenwasser. Eine Untersuchung kann u.a. darüber Aufschluss geben, ob im Gehirn krankhafte Prozesse stattfinden. Unsere Abreise war dann am dritten Tag geplant, damit Alma in Ruhe aus der Narkose aufwachen und noch etwas zu Kräften kommen konnte.

Bisher war Alma auf Grund anderer Krankheiten bereits zweimal im CT gewesen. Ich wusste also schon recht genau, was auf Alma zukommen würde. Für spezifischere Diagnosen des Gehirns ist jedoch die bildgebende Diagnostik mittels eines CTs in den meisten Fällen zu ungenau. Weiche Strukturen lassen sich detailreicher durch ein MRT darstellen. An sich ist eine Untersuchung mittels MRT nicht gefährlich und dauert auch nur ca. eine halbe Stunde. Nachteilig ist jedoch, dass eine Narkose des tierischen Patienten notwendig ist.

 

Tag 1: Die neurologische Untersuchung

Es brach mir fast das Herz, als mir die nette Tierärztin nach Almas Aufnahme und der ersten Anamnese erklärte, dass die weiteren neurologischen Untersuchungen ohne mich durchgeführt werden würden und ich im Wartezimmer Platz nehmen solle. Bisher war ich bei jeder Untersuchung von Alma anwesend und habe sie nie zurücklassen müssen. Bei Operationen verließ ich erst den Raum, wenn sie durch die Narkose bereits tief und fest schlief. Umso schwerer war es für mich, als Alma ohne mich in einen separaten Raum geführt wurde.

Im Nachhinein und mit Blick auf die durchgeführten Untersuchungen, kann ich verstehen, warum dieser Ablauf so in der Praxis umgesetzt wird. Ich glaube bei Alma wurden so ziemlich alle Reflexe ausgelöst, die man auslösen kann, inklusive des Anareflexes.

Erstaunlicherweise dauerte die Untersuchung länger, als ich es vermutet hätte. Fast 1,5 Stunden wartete ich auf meine Speckbohne, die Tür zu den Behandlungsräumen fest im Blick.

 

Tag 2: Das MRT oder der Beweis, dass da mehr als eine kleine Erbse ist

Operationen, Narkosen, Aufwachphasen, das alles ist für mich auf Grund Almas zahlreicher OPs (15 an der Zahl) nicht mehr neu. Eigentlich habe ich ein wahnsinniges Urvertrauen in Almas behandelnden Tierarzt und zweifle keine Sekunde, dass mein Mädchen irgendetwas nicht schaffen könnte.

Aber in einer fremden Stadt, in einer neuen Klinik, mit mir mehr oder weniger unbekannten Ärzten ist die Situation auf einmal vollkommen anders. Da gibt es nicht den vertrauten Behandlungsraum, den ich seit fast acht Jahren kenne. In der Universitätsklinik München gibt es eine eigene Anästhesieabteilung, einen separaten Aufwachbereich, zum dem Frauchen und Herrchen jeweils keinen Zutritt haben. Also hieß es am Morgen unseres zweiten Tages wieder: Alma abgeben und warten, warten, warten.

Ich versuchte die Nervosität mit Kaffee und Ablenkung zu bekämpfen und bin damit natürlich nicht sehr weit gekommen. Zum Glück gab es genau neben der Klinik ein wirklich nettes Café und so konnte ich den ganzen Vormittag in unmittelbarere Nähe zur Klinik verbringen. In diesem Moment machte ich mir eigentlich gar keine Gedanken über das Ergebnis des MRTs, sondern hoffte einfach nur, dass meine kleine Speckbohne alles unbeschadet und ohne Komplikationen schaffen würde. Wenn man bedenkt, dass ein MRT nur ungefähr eine halbe Stunde dauert, verging eine Ewigkeit, bis ich um 14.00 Uhr und nach geschlagenen sechs Stunden, endlich den Anruf der Klinik erhielt, dass ich Alma abholen könnte.

Je älter ein Hund bei dem ersten Auftreten von Epilepsie ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Anfälle durch Tumore, eine Entzündung etc. ausgelöst werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine genetische Ursache handelt, ist ungleich geringer. Bei Alma wurde jedoch kein Tumor festgestellt, die Kernspintomographie war unauffällig. Ich war und ich bin darüber überglücklich und unendlich dankbar!

Die Liquoruntersuchung konnte nicht durchgeführt werden, da trotz mehrmaliger Punktion kein Liquor gewonnen werden konnte. Für die Untersuchung wurden Alma alle Haare im Nacken abrasiert, was schon ziemlich merkwürdig ausgesehen hat.

Was bleibt ist die Diagnose der myoklonischen Epilepsie mit bisher unbekannter Ursache. Auf Grund von Almas Vorerkrankungen liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine autoimmunbedingte Erkrankung handelt. Mit Sicherheit kann man dies jedoch ohne eine Vielzahl anderer Untersuchungen nicht sagen. Auf Grundlage der neuen Befunde konnte Alma nun auch auf neue Tabletten eingestellt werden. Als Versuchstherapie erhält sie nun Levetiracetam und ist seitdem anfallsfrei.

Ich bin sehr froh, dass wir uns für die Kleintierklinik München entschieden haben und habe mich mit Alma dort einfach sehr gut aufgehoben gefühlt. Für die neurologische Untersuchung, ein großes Blutbild und das MRT haben wir ca. 1200 Euro bezahlt. Ich bin kein Freund davon, den Tierarzt bzw. die Tierklinik auf Grundlage eines Preisvergleiches auszusuchen, aber natürlich ist es wichtig, die Größenordnung einer solchen Untersuchung abschätzen zu können.

 

Was bleibt ...

ist die Diagnose der myoklonischen Epilepsie mit bisher unbekannter Ursache und die Gewissheit, dass Almas epileptischen Anfällen keine lebensbedrohliche Primärerkrankung zu Grunde liegt. Auf Grund von Almas Vorerkrankungen liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine autoimmunbedingte Erkrankung handelt. Mit Sicherheit kann man dies jedoch ohne eine Vielzahl anderer Untersuchungen nicht sagen. Auf Grundlage der neuen Befunde konnte Alma nun auch auf neue Tabletten eingestellt werden. Als Versuchstherapie erhält sie nun Levetiracetam und ist seitdem anfallsfrei.

Und es gab einen weiteren schönen Nebeneffekt unseres Aufenthaltes in München: Ich durfte Julia von miDoggy kennenlernen. Nach Almas MRT haben wir uns abends kurz zum Essen verabredet und über Gott und die Welt geplauscht (Alma war zu diesem Zeitpunkt schon länger wach und es ging ihr sehr gut). Vielen Dank Julia, dass du mir München von so einer schönen Seite gezeigt hast!

 

Alma abends im Bett unseres Hotels - noch etwas müde, aber auf dem Weg der Besserung

 

Gerne kommen wir wieder, dann allerdings ohne Alma (Für sie wäre die lange Reise einfach zu anstrengend.) und mit ganz viel Zeit für Münchens tolle Sehenswürdigkeiten im Gepäck!

 

 

Musstet ihr mit euren Lieblingen schon einmal in eine Spezialklinik oder habt ähnliche Erfahrungen gesammelt?

 

Eure Anja und Frau Alma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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