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Im März haben wir uns ganz plötzlich von der digitalen Welt verabschiedet und ihr bis jetzt mehr oder weniger den Rücken gekehrt. Bestimmt haben wir einige vor den Kopf gestoßen und dafür möchte ich mich auch an dieser Stelle herzlich entschuldigen.

Aber manchmal hat das Leben eben einen ganz eigenen Plan.

Mitte Februar wurde bei Alma in der Tierklinik München eine besondere Form der Epilepsie festgestellt. Nach einem MRT und zahlreichen neurologischen Untersuchungen, hatten wir zwar die Gewissheit, dass dieser Erkrankung kein Tumor oder eine Gehirnentzündung zu Grunde liegt, dennoch war gerade die Zeit vor der Untersuchung für mich nur schwer auszuhalten. Dies sollte jedoch erst der Anfang einer ganzen Dominokette sein. Alma war zu diesem Zeitpunkt fast gar nicht mehr belastbar. Des Nachts litt sie regelmäßig unter schweren Hustenanfällen und fand kaum in den Schlaf. Als Ursache wurde anfangs immer noch ihre Lungenentzündung aus dem letzten Jahr vermutet. Als sich die Symptome jedoch trotz Tablettengabe nicht besserten, bestand ich darauf, dass sie nun wirklich von Kopf bis Fuß durchgecheckt wird. Das bedeutete in Almas Fall ein Herzultraschall und eine Kehlkopfendoskopie.

Ehrlich gesagt, hatte ich mir vor dem Herzultraschall gar keine Sorgen gemacht. Irgendwie glaubte ich daran, dass Almas Herz immer noch kräftig und ohne Einschränkungen schlug. Also ging ich entspannt in die Untersuchung. Vielleicht war das dann auch der Grund, warum ich das Ergebnis erst gar nicht so richtig fassen konnte: Alma hatte eine starke Klappeninsuffiziens beidseitig, die durch eine standardmäßige Auskulation, so wird das Abhören des Herzens bezeichnet, nicht festzustellen war. Vielleicht ist das auch die Erklärung dafür, dass selbst die Universitätsklinik München die Erkrankung bei Alma nicht festgestellt hat, obschon eine Voruntersuchung im Rahmen der Narkose für das MRT erfolgte. Auf dem Monitor des Ultraschallgerätes waren deutlich die verdickten Klappen zu erkennen. Der Rückfluss von Almas sauerstoffreichem Blut überstieg bei weitem den noch zulässigen Wert. Wieder Zuhause angekommen, realisierte ich, dass man diese Erkrankung nicht heilen kann. Natürlich, es gibt sehr gute Präparate, die das Herz unterstützen und die Erkrankung aufhalten, aber ganz gesund würde Alma nie wieder werden.

Alma wurde also zunächst auf Tabletten eingestellt, bevor der nächste Diagnoseschritt erfolgte, denn ihr Husten und Röcheln konnte sich der behandelnde Tierarzt trotz Herzinsuffizienz nicht erklären. Es gab Tage, an denen Alma nicht einmal einen Dummy bringen konnte, ohne danach so außer Puste zu sein, dass sie sich hinlegen musste. Zwei Wochen später hatten wir also erneut einen Termin beim Tierarzt. Dieses Mal wurde Alma in eine leichte Narkose versetzt, um den Kehlkopf mit Hilfe eines Endoskops untersuchen zu können. Diese Untersuchung dauert nach Einleitung der Narkose nicht lange und so wurde meine Befürchtung innerhalb der nächsten 15 Minuten bestätigt – Alma hat eine Kehlkopflähmung. Im Moment ist sie noch nicht extrem ausgeprägt, aber dennoch schränkt es Alma in ihrer Lebenssituation ein. Auf Grund des Schweregrades und der Risiken einer Operation riet uns der Tierarzt von einer Operation ab

Nicht nur Alma ging es in diesen Wochen nicht gut, sondern auch mir. Die Flut an Hiobsbotschaften riss mir stellenweise den Boden unter den Füßen weg und ich hatte das Gefühl, dass mein Hund einfach wie ein altes Auto „auseinanderfällt“, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen konnte.

Natürlich wissen wir alle, dass das Leben endlich ist, aber es zu sehen, schmerzt doch umso mehr. Ich hatte nie das Gefühl, dass Alma aufgibt oder nicht mehr möchte – im Gegenteil, seitdem wir in meine Heimatstadt zurückgezogen sind, in der auch Frau Alma die ersten zwei Jahre unseres Zusammenlebens verbracht hat, habe ich das Gefühl, dass sie einen zweiten Frühling erlebt. Sie nimmt am Leben teil und genießt es so sehr, über diesen Wiesen zu rennen (im Omatempo versteht sich), im Wasser zu plantschen (Ja, sie hat jetzt das kühle Element für sich entdeckt, nach acht Jahren!) und unsere Hundefreunde zu treffen.

Im März hatte ich gehofft, Alma möge noch einmal den Sommer genießen können! Die Angst, ihr Husten komme von eventuellen Wasseransammlungen in der Lunge war nicht unbegründet und ließen mich fast verzweifeln.

Heute bin ich fest davon überzeugt, dass das nicht Almas letzter Sommer gewesen ist! Sie wird es schaffen, da bin ich mir sicher, auch wenn das Ergebnis unterm Strich wohl ein harter Brocken ist: Bauchspeicheldrüseninsuffziens, Cauda Equina Kompressionssyndrom, Epilepsie, beidseitige Herzinsuffiziens und eine Kehlkopflähmung. Alma hat in ganzer Linie abgesahnt.

Im Gegensatz zu mir, die ich oft mit ihrem Schicksal hadere und wütend darauf bin, dass sie scheinbar so bestraft wird, scheint Alma all diese Sachen anzunehmen. Gewiss, es gibt bei uns gute und weniger gute Tage. Gestern war z.B. so ein guter Tag und heute liegt sie nur im Bett und will schlafen. Aber die Gesamtbilanz stimmt: Die guten Tage überwiegen bei weitem die schlechten und wir schöpfen beide so viel Kraft und Mut aus unseren gemeinsamen Ausflügen, unseren Lieblingsplätzen und unserer gemeinsamen Zeit.

Alma hat einige Freunde und Bekannte überrascht, die bereits dachten, dass es Zeit wäre, loszulassen. Aber es stimmt wohl doch: Totgesagte leben eben länger!

 

Ich hab dich so lieb meine kleine Speckbohne!

 

 

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