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Wenn wir bei unseren Familien zu Besuch sind, hören wir in letzter Zeit immer häufiger den Satz „Alma hat aber ganz schön zugenommen, oder?“. Ja, das hat sie! Die Feststellung ist richtig, da besteht wohl kein Zweifel. Wahrscheinlich geht es uns und Alma in dieser Situation so, wie leider vielen übergewichtigen Menschen: Übergewicht wird immer automatisch auf Zügellosigkeit, fehlende Disziplin und falsche Essgewohnheiten zurückgeführt. Das könnte man im ersten Moment auch denken, denn Alma ist wahnsinnig verfressen und jederzeit für einen Bissen oder ein Leckerchen zu haben. Die Wahrheit ist jedoch, dass Alma unter Heißhungerattacken leidet – regelmäßig und beinahe jeden Tag! Diese Heißhungerattacken sind zum einen Symptom Almas Bauchspeicheldrüseninsuffiziens und zum anderen Nebenwirkung einiger Medikamente, die Alma auf Grund anderer Erkrankungen einnehmen muss.

Erzähle ich von Almas krankhaften Fressschüben, werde ich nicht selten belächelt. Das sei doch alles nur Theater oder eine gut ausgefeilte Masche von Alma. Wer jedoch noch nie eine Heißhungerattacke bei einem Hund miterlebt hat, dem wird es wahrlich schwerfallen, sich eine solche vorzustellen. Mit dem „normalen“ Betteln ist sie jedenfalls absolut nicht vergleichbar und darum auch relativ leicht von ihr abzugrenzen. Alma überkommen die Heißhungerattacken überwiegend in den Abendstunden. An manchen Tagen geben wir ihr aller 20 bis 30 Minuten einen kleinen Happen zu Essen, weil sie es sonst einfach nicht aushält. Die Anzeichen ihres Heißhungers sind offensichtlich: Alma zittert am ganzen Körper, fiept, klappert mit den Zähnen und kommt nicht zur Ruhe. Ignorieren nützt übrigens in diesem Fall überhaupt gar nichts. Anfangs haben wir das natürlich versucht, als auch wir noch dachten, dass Almas Fressgeister exzessive Betteleien seien. Zu Beginn habe ich es einmal ausgehalten, Alma zwei Stunden in diesem Zustand nicht zu beachten. Das Ergebnis war, dass Alma und ich am Ende völlig erledigt waren und sich die Symptome immer weiter verstärkten. Zudem kommt hinzu, dass Alma eine Form von Epilepsie hat, die durch diese Heißhungerattacken und die Aufregung verstärkt wird. Alma beginnt dann, am ganzen Körper unkontrolliert zu zucken und ihre Gliedmaßen brechen ein, sodass sie auf den Boden fällt. Alles in allem also eine sehr ungünstige Kombination. Gegenwärtig halten Almas Heißhungerattacken bis ca. 23.00 Uhr an. Doch es gab bereits Nächte, in denen ich mehrfach aufgestanden bin, um Trockenfutter in der ganzen Wohnung zu verstreuen, immer in der Hoffnung, die Arbeit Futter zu suchen und nicht nur wild hinunterzuschlingen, würde Almas Attacken lindern.

Tatsächlich helfen uns einige kleine Tricks, die Zeiten zwischen den einzelnen Heißhungerattacken zu verlängern. Wie bereits erwähnt, besteht eine Möglichkeit darin, Trockenfutter, Leckerlies etc. in der Wohnung so zu verteilen, dass der Hund länger mit der Nahrungssuche und -aufnahme beschäftigt ist. Bei uns konnte man Trockenfutter und Leckerlies bereits in Regalen, unter Kommoden und zwischen Kissen etc. finden. Möchte man das Futter aus hygienischen Gründen nicht in der Wohnung verteilen, empfiehlt sich ein „Wühlkarton“, der mit allerhand Zeitungspapier ausgestopft ist, oder ein Schnüffelteppich, sodass das Futter mit der Nase aufgespürt werden muss.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, Nassfutter oder Rohfutter mit Hilfe eines Kongs zu verfüttern. Auch hier sind die meisten Hunde länger mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt und im besten Fall danach sogar von der anstrengenden Arbeit etwas ermüdet. Bestimmt lassen sich noch allerhand andere Ideen zusammentragen, um die Fütterung gewollt in die Länge zu ziehen, ein zuverlässiges Gegenmittel gegen Heißhungerattacken sind sie bei Alma jedoch nicht!

Erzählen wir von Almas Krankheitssymptomen, kommt fast immer der gut gemeinte Ratschlag, dass wir ihre Tagesration doch einfach besser aufteilen könnten, um Übergewicht zu vermeiden. Ein schlauer Plan, auf den wir natürlich auch schon gekommen sind. Doch in Summe gestaltet es sich schwieriger als angenommen. Alma muss auf Grund ihrer Bauchspeicheldrüseninsuffiziens möglichst mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Dieser Empfehlung vom unseren Tierarzt sind wir von Beginn an gefolgt und es hat sich einfach bewährt. Alma bekommt so über den Tag verteilt ca. 4 Mahlzeiten. Dazu kommen dann ca. drei bis vier Heißhungerattacken am Abend. Man kann sich vorstellen, dass es schwer ist, Almas Futtermenge so mit jedem Mal immer weiter aufzuteilen und zu verringern.

Der Vorteil ist, dass wir schon auf Grund der Bauchspeicheldrüseninsuffiziens verstärkt auf den Fettgehalt des Futters achten müssen. Viele Kauartikel sind zudem für Alma nicht geeignet, da sie einfach zu schwer zu verdauen sind. Für kleine Happen greifen wir deshalb auch gerne auf hartgekochte Eier, Quark, Joghurt und kleine, harte Brotstückchen zurück.

Ja, wahrscheinlich wird Alma nie wieder zu ihrer extrem sportlichen Linie zurückfinden. Sie ist jetzt ca. 11 Jahre alt, in vielerlei Hinsicht eine richtige Oma. Wir haben uns damit arrangiert und sind darauf eingestellt. Wir achten darauf, dass sie nicht als fettleibige Tonne durch die Gegend spaziert. Ich freue mich über jeden Tag, an dem Alma ohne Zähneklappern, Zittern und Anfälle ins Bett gehen kann und zur Ruhe kommt. Wer solch eine Attacke einmal erlebt hat, der ändert vielleicht auch seine Meinung, das alles wäre nur Show und ließe sich mit Ignorieren einfach wegtherapieren.

Allerdings wünsche ich jedem Hundehalter und seinem Hund, von diesen Symptomen verschont zu bleiben, denn auch wenn Alma ein leidenschaftlicher Küchenbegleithund und Leckerlievernichter ist, unter diesen Umständen macht es auch ihr keinen Spaß!

 

Eure Anja und Frau Alma 

 

Kommentare

The Pell-Mell Pack
07.01.2017 09:46

Solche Heißhungerattacken kennen wir nur zu gut. Viele Arthrosemedikamente (allen voran Teufelskralle) können das ebenfalls auslösen. Das in Kombination mit einem sowieso schon verfressenen Labrador ist nicht witzig .

Paula hat häufig Magensäure erbrochen und sich angewöhnt, alles unterwegs oder im Garten zu fressen. Notfalls auch Erde. Obwohl wir eigentlich bei ihr sehr auf das Gewicht achten müssen, haben wir ihr auch mehr gegeben. Besser ein paar Kilo zu viel mit rumschleppen, als so zu leiden.

Glücklicherweise haben wir die Mittel nur als Kur eingesetzt, sodass das Spuk nach jeweils drei Monaten vorbei war.

Für Alma muss es schrecklich sein, das dauerhaft zu erleben.

Alles Gute für Euch und Frau Alma!

Herzliche Grüße

Stephie

FRAU ALMA
07.01.2017 20:24

Liebe Stephie,

vielen dank für deinen Kommentar! Ich sehe es wie du, lieber ein Kilo mehr, als

solche Zustände! Als ich jedoch mir jedoch heute ein neues eBook von Doggy

Fitness gekauft habe, und darin las, dass "jedes Kilo zählt", habe ich sofort ein

schlechtes Gewissen bekommen. Aber wir können Alma Heißhungerattacken

nun einmal nicht wegzaubern und müssen eben so gut es geht darauf achten,

was sie bekommt. Gott sei Dank, hat es Paula überstanden und muss sich nciht

weiter damit rumplagen. 

 

Seid ganz lieb gegrüßt

 

Anja mit Alma 

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