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Wir wollen in das neue Jahr mit einem Thema starten, welches mir besonders am Herzen liegt! Das erste Mal möchte über ein Thema aus dem Bereich der Gesundheit bzw. Erkrankungen schreiben. Es ist ein Erfahrungsbericht. Ich bin keine Medizinerin, geschweige denn Tierärztin, deshalb wird es an dieser Stelle keine genauen „Therapievorschläge“ oder ähnliches geben und natürlich ersetzt dieser Beitrag keinen Tierarztbesuch.

Im August 2013 bekamen wir Besuch von meiner Schwester und ihrer Hündin Hazel. Hazel ist ein echtes Energiebündel und um das erste Kennenlernen von Alma und Hazel so neutral wie nur möglich zu gestalten, beschlossen wir, der nächstgelegenen Hundewiese einen Besuch abzustatten. Das Zusammentreffen verlief mehr oder weniger reibungslos. Die beiden Damen versuchten in einem Rennspiel ihre Grenzen auszuloten und ihre Position zu finden. Wir waren erleichtert und freuten uns, bis Frau Alma auf einmal laut auffiepte und mit angezogenem Hinterbein zu mir herüber gehumpelt kam. Ich ging davon aus, dass sie sich vertreten habe oder ungünstig aufgekommen sei. Gott sei Dank war kein Bruch erkennbar und schon nach wenigen Minuten war Alma wieder fit und konnte sich ohne Einschränkungen bewegen. Die Wochen darauf verliefen in dieser Hinsicht ereignislos, bis ich ein leichtes Lahmen bemerkte. Es war kaum wahrnehmbar und doch mit geübtem und aufmerksamen Auge zu erkennen. Ich bin kein Freund davon, lange abzuwarten und zu gucken, ob sich ein Zustand verbessert bzw. verschlechtert. Also fuhren wir zum Tierarzt. Alma wurde gründlich durchgecheckt. Es gab von allen Extremitäten Röntgenbilder inklusive der Schultern und Hüfte. Obendrauf veranlasste Almas Tierarzt ein großes Blutbild. Heraus kam jedoch nichts. Es war zu diesem Zeitpunkt eine leichte Arthrose der einen Zehe zu erkennen, aber dadurch konnte das Lahmen nicht zu erklären sein.

Auf der einen Seite freut man sich natürlich, wenn erst einmal alle Werte und Röntgenbilder ohne Befund sind, aber auf der anderen Seite ist es natürlich auch nicht zufriedenstellend, blieben die Symptome doch weiterhin bestehen.

Wir waren ziemlich ratlos.

Einige Woche später stellte ich Alma erneut beim Tierarzt vor. Ihr eines Krallenhorn hatte sich gelöst. Ich dachte zunächst, sie habe sich verletzt, sei irgendwo hängen geblieben und das Krallenhorn sei deshalb abgerissen. Alma wurde versorgt, bekam einen Pfotenverband und wir stapften wieder nach Hause. Bei einem Krallenhorn sollte es jedoch nicht bleiben. In den kommenden Tagen lösten sich bei Alma unzählige Krallenhörner an unterschiedlichen Füßen. Bereits im Vorfeld kündigte sich der Prozess durch Almas Lecken der betroffenen Krallen und deren extremes Wachstum, an. Lösten sich die Krallen, blieben blutige Zehen ohne Schutz zurück. Alma ist recht hart im Nehmen, doch ausgeschuhte Krallen sind überaus schmerzhaft. Als Vergleich kann man sich vorstellen, wie es wäre, würde man seine Fingernägel verlieren. Die Veränderungen der Krallen ließ den Schluss zu, dass Alma unter einer krankhaften Veränderung ebendieser litt. Das war scheinbar auch der Grund für das Lahmen, da das Krallenbett bereits entzündet war, man dies jedoch noch gar nicht erkennen konnte. Neben der Behandlung der Symptome und Linderung der Schmerzen, stand von da an die Ursachenforschung im Vordergrund. Durch umfassende Blutuntersuchungen und eine verordnete Ausschlussdiät sollte sprichwörtlich das Haar in der Suppe gefunden werden – ohne Erfolg. Warum Almas Krallen ausfielen, blieb ein Rätsel. Es hat lange gedauert, aber am Ende erhielten wir die Diagnose der Symmetrischen Lupoiden Onychodystrophie – kurz SLO. Bei SLO handelt es sich um eine krankhafte Veränderung der Krallen, die sich in Folge dessen lösen und regelrecht "ausschuhen". Es gibt Rassen wie den Rhodesian Ridgeback, die häufiger an Formen von SLO erkranken. Bis heute sind die genauen Ursachen dieser Erkrankung jedoch noch nicht vollständig erforscht. Man geht bei SLO von einem autoaggressiven Prozess aus, bei dem das Immunsystem körpereigene Strukturen bekämpft.

Bei Alma verlief die Krankheit in akuten Phasen und Zeiträumen mit geringen bzw. gar keinen Symptomen. Waren die Krallenhörner abgefallen, wuchs das deutlich deformiert und weniger stabil Krallenhorn nach. Es dauerte meist nicht lange, bis sich auch die neuen Krallenhörner wieder lösten.

Die Versorgung der kranken Krallen in den akuten Phasen war für Alma nicht nur schmerzhaft, sondern für mich auch sehr zeitintensiv. Vor jedem Spaziergang legte ich Alma einen Pfotenverband an den betroffenen Füßen an, um die Zehen ohne Krallenhorn zu polstern und somit zu schützen. Zuhause nahm ich die Verbände wieder ab, damit die Zehen belüftet werden konnten und sich keine Feuchtigkeit zwischen Pfoten und Verband sammelte.

Die Zeit hat aus mir eine wahre Meisterin im Anlegen von Pfotenverbänden gemacht!

Dreimal am Tag wurden Almas kranke Pfoten zudem in Rivanol-Lösung gebadet, einem Antiseptikum mit antibakterieller Wirkung. Zudem wurde Alma monatelang mit Kortison behandelt, leider auch mit nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen wie Heißhungerattacken, Hecheln, erhöhtem Puls usw.

 

Almas Pfote mit ausgeschuhter Kralle nach einem Rivanol-Bad

 

Hinzu kam, dass sich viele Krallen nicht vollständig ausschuhten und Teile des Krallenhorns im Krallenbett verblieben. Regelmäßig ließen wir deshalb Alma unter Narkose bereits lose Krallen ziehen, da sie beim Ausschuhen unter erheblichen Schmerzen litt. Um Alma zu helfen, entschlossen wir uns, in eine Spezialklinik nach Hamburg zu fahren. Ärzte und Schwestern waren zwar überaus freundlich und kompetent, aber leider verwies man uns nur auf die Ausschlussdiät und riet uns zur Krallenpediküre.

 

Alma nach dem Ziehen einiger Krallen und Behandlung unter Vollnarkose 

 

Seit Almas ersten Symptomen sind nun fast dreieinhalb Jahre vergangen. Alma ist seit ca. zwei Jahren symptomfrei, was jedoch nicht bedeutet, dass die Krankheit nicht erneut ausbrechen kann. Entgegen den Prognosen der Ärzte, sind Almas einst deformierte Krallen ganz normal nachgewachsen. Ich selber habe damit ehrlich gesagt, gar nicht mehr gerechnet!

Es ist schwer, festzustellen, was Alma letzten Endes geholfen hat: das Cortison, die Pediküre, die Omega 3 / 6 Fettsäuren in hoher Dosierung oder eben eine Kombination aus all diesen Komponenten? Ich bin sehr glücklich, dass Alma heute beschwerdefrei ist und ohne Schmerzen und Verbände laufen und herumtollen kann. Obschon die Krankheit nicht lebensbedrohlich ist, mindert sie erheblich die Lebensqualität der betroffenen Hunde.

Mit unserem Beitrag wollen wir auf die ersten Symptome dieser Erkrankung aufmerksam machen, da wir selber lange Zeit im Dunkel getappt sind. Wir drücken allen Betroffenen die Daumen für eine schnelle Genesung!

 

Eure Anja und Frau Alma

 

 

 

Kommentare

The Pell-Mell Pack
30.01.2017 15:37

Liebe Anja,

wie wundervoll! Da sind wir auf alle Fälle dabei. Meine drei hätten da alle etwas zu bieten. Jeder ist "spartenspezifisch" intelligent und versagt mit Anlauf und Karacho in anderen sparten. :-)

Witzigerweise reiht sich beim Versagen in der Kategorie Intelligenzspiele bei uns die Aussie-Streberin Luna ein. Und genau wie Alma regiert irgendwann die frustrierte Zerstörungswut. Sie hat so ein Brett schon voller Wut durchs Wohnzimmer geschleudert und nur mein beherzter Sprung in die Flugrichtung ließ den Fernseher weiter leben. 

Demnächst mehr, da werde ich sehr viel Spaß beim Schreiben haben.

Herzliche Grüße

Stephie mit Enki und Luna

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