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Irgendwie haben wir es doch schon längst alle gewusst – unsere Hunde sind schlauer als so manch Nicht-Hundehalter denkt. Im Alltag begegnen uns unsere Vierbeiner mit allerhand Raffinesse und spitzfinden Einfällen.

So untersucht z.B. Alma zielgerichtet alle Taschen, sobald ich die Wohnungstür schließe. Der Hund meiner Schwester schafft es sogar, das Geschicklichkeitsspiel „Turm von Hanoi“ meisterhaft zu bewerkstelligen. Phoebe, der Hund einer Freundin, ist eine Meisterin darin, gefährliche Situationen einzuschätzen und freilaufende Hunde gekonnt abzuwehren. Und nicht zuletzt hat Alma erstaunliche Strategien in der Jagd entwickelt und kann sich wildreiche Orte und den Weg dorthin exakt merken. (Es sei hierbei anzumerken, dass ihre Fähigkeiten, sehr zu ihrem Bedauern, von Frauchen massiv eingeschränkt werden!)

Der Psychologe Stanley Coren von der University of British Columbia vergleicht die Intelligenz von Rex, Lessi und Co. schätzungsweise mit der eines zweieinhalbjährigen Kindes. Coren bewertet den Verstand einzelner Rassen nach ihrem angeborenen Instinkt, ihrer adaptiven Intelligenz, welche das Beobachten und Imitieren von Verhaltensweisen umfasst, sowie nach dem Aspekt von Unterordnung und Gehorsam. Die Ergebnisse dieses Rankings legen jedoch nahe, dass die Intelligenz wohl doch nicht so einfach durch diese drei Kategorien zu bestimmen ist, denn gerade sehr eigenständig arbeitende Rassen, wie Terrier und beispielsweise der Basenji schneiden eher schlechter ab. Intelligenz ist also nicht mit der Kooperationsbereitschaft der einzelnen Hunderassen zu verwechseln.

Genau wie anzunehmen ist, dass wir Menschen zur Selektion kognitiver Fähigkeiten unserer Hunde beigetragen haben, ist ferner davon auszugehen, dass die Fähigkeiten unserer Hunde auch durch die jeweiligen Hundehalter beeinflusst werden können.

Am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena untersucht Dr. Juliane Bräuer in verschiedenen Studien die Kognition unserer Haus- und Familienhunde.

Seid ihr bereit für einen kleinen Einblick? Wir möchten euch im Folgenden einzelne Aufgaben vorstellen, mit deren Hilfe die unterschiedlichen Bereiche der kognitiven Fähigkeiten unserer vierbeinigen Freunde untersucht werden können.

 

Also Leckerlies bereithalten, Hund schnappen und dann Konzentration:

 

Aufgabe 1 : Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund

 

In diesem Test geht es darum, herauszufinden, ob euer Hund eure Signale verstehen und nutzen kann. Kann eurer Hund die Zeichen deuten, die ihr ihm gebt?

Für diesen Test braucht ihr 3 gleiche Becher, die ihr umgedreht auf den Boden stellt. Unter einem Becher versteckt ihr ein Leckerli. Ihr könnt z.B. den Hund erst in das Zimmer hineinholen, wenn ihr den Versuch vorbereitet habt, so wirkt ihr eventuellen Schummeleien entgegen. Achtet darauf, dass der Hund nicht die Becher beschnüffelt, sondern stattdessen in geeigneter Entfernung sitzen bleibt. Zeigt nun auf den Becher mit dem schmackhaften Happen. Na, hat euer Hund den Hinweis verstanden?

 

Aufgabe 2 : Visueller Perspektivwechsel

 

Wenn eurer Hund schon einmal etwas gestohlen hat, als ihr den Raum verlassen habt, dann könnt ihr jetzt wirklich sehr stolz sein. Euer Hund kann nämlich genau einschätzen, zu welchem Zeitpunkt ihr etwas nicht sehen könnt. Aber überzeugt euch selbst: Stellt in einem Raum eurer Wohnung eine Futterschüssel mit unwiderstehlichem Inhalt auf. Lasst euren Hund ruhig den Braten riechen und macht ihm dann unmissverständlich klar, dass dieses Futter verboten ist! Verlasst anschließend den Raum und geht wie gewohnt einer anderen Tätigkeit nach. Ich bin gespannt, ob eurer Hund diese Gelegenheit nutzen wird!

Für apportierfreudige Hunde: Setzt euch mit einem Stuhl an die eine Wand des Raumes. Euer Hund sollte euch gegenüber an der anderen Wand des Raumes sitzen. Dem Hund stehen zwei Gegenstände zum Apportieren zur Verfügung (z.B. Bälle, Dummys etc.). Der eine Gegenstand ist für euch und euren Hund sichtbar. Der zweite Gegenstand ist jedoch eurem Sichtfeld verborgen. Ihr könnt den Gegenstand dafür einfach hinter einer Kiste etc. vor euren Augen verstecken. Fordert euren Hund nun durch ein Kommando auf, euch den Gegenstand zu bringen. Pfiffige Hunde werden den Gegenstand wählen, den auch ihr sehen könnt, da sie davon ausgehen, dass ihr von der Existenz des zweiten Gegenstandes keinen blassen Schimmer habt. Führt diesen Test anschließend durch, indem ihr eurem Hund den Rücken zukehrt. Tests des Max-Planck-Institutes in Leipzig ergaben, dass es den meisten Hunden in diesem Fall egal ist, welchen Gegenstand sie bringen, schließlich könnt ihr ja nun beide nicht mehr sehen!

 

Aufgabe 3 : Soziales Lernen

 

Intelligenz bedeutet eben auch, ob Hunde in der Lage sind, sozial zu lernen und sich so u.a. Strategien und Problemlösungen von Artgenossen oder ihrem menschlichen Mitbewohner abzugucken. Wie ihr das am besten ausprobiert?

Ihr könntet z.B. einen leckeren Happen in einer Schublade verstecken, die von dem Hund aufgezogen werden kann (z.B. mit Hilfe einer Schnur) oder ihr befestigt an einem Leckerli eine kleine Schnur und legt diese anschließend unter die Couch oder eine Kommode. Stellt sicher, dass euer Hund euch beobachten kann, wenn ihr selbst die Schublade auf- oder das Objekt unter der Couch hervorzieht. Gelingt es eurem Hund nicht, zum ersten Mal eure Strategie auszuprobieren, könnt ihr ihm gerne noch weiter die Möglichkeit geben, euch dabei zu beobachten. Viele kennen diesen Ansatz bestimmt schon aus dem Training des Imitationslernens „Do as I do“ von Claudia Fugazza. Aus eigener Erfahrung kann ich euch versichern, dass es schon mal etwas länger dauern kann, bis der Hund sich darauf eingestellt hat. Einen Versuch ist es aber allemal wert!

 

Aufgabe 4 : Physikalische Kognition 

 

Jetzt geht es darum, ob eure Hunde physikalische Zusammenhänge verstehen. Um das herauszufinden, könnt ihr beispielsweise zwei Schachteln oder verschließbare Dosen zur Hand nehmen. In einen Behälter füllt ihr, ohne dass es euer Hund sieht, etwas Trockenfutter. Schüttelt beide Dosen! Erkennt euer Hund den Zusammenhang zwischen dem erzeugten Geräusch und dem Futter in der Dose? Welche Dose präferiert er?

 

Aufgabe 5 : Kooperation

 

In diesem Bereich geht es darum, zu untersuchen, ob Hunde ihre Aktionen koordinieren, um Probleme gemeinsam zu lösen. Vielleicht erinnert ihr euch ja an die ein oder andere Situation, in der euch euer Hund zur Hilfe gekommen ist? Jetzt könnt ihr testen, ob ihr als Problemlöser für euren Hund in Frage kommt! Versteckt dafür z.B. einen feinen Happen oder einen Ball während eines gemeinsamen Spazierganges auf einem Baum. Natürlich sollte der Hund ohne eure Hilfe keine Chance haben, an seine Beute zu gelangen. Wartet gespannt ab, ob sich euer Hund bemerkbar macht und euch zur Hilfe holt.

Auch da gibt es ganz unterschiedliche Charaktere, vom sturen Einzelkämpfer, bis hin zum jammernden Muttitier! Also bloß nicht die Geduld verlieren!

 

* * *

 

Alma ist übrigens nach diesen Tests keine Intelligenzbestie – muss sie auch nicht, schließlich haben wir wieder ganz viele Bereiche ausgelassen. Beispielsweise wurden die Empathiefähigkeit und das Jagdverhalten nicht untersucht.

Und wie auch bei menschlichen Intelligenztests zeigt sich, dass durch gezieltes Training die Ergebnisse in den einzelnen Bereichen verbessert werden können. Vielleicht ist das für den ein oder anderen ein Anreiz für spannende Trainingseinheiten oder einfach nur munterer Zeitvertreib für lange Winterabende!

 

Wir wünschen euch in jedem Fall viel Spaß beim Ausprobieren und Testen!

 

 

Eure Anja und Frau Alma  

 

 

Morgen gibt es übrigens einen weiteren tollen Beitrag im Rahmen des tierischen Adventskalenders! Das nächste Türchen öffnet sich am 11.12. bei Shiva Wuschelmädchen!  

 

Euch interessiert dieses Thema? Dann haben wir für euch einige tolle Literaturtipps zusammengestellt:

 

  • Bräuer, J. & Call, J. (2011). The Magic Cup: Great apes and domestic dogs (Canis familiaris) individuate objects according to their properties. Journal of Comparative Psychology, 125 (3), 353-361.
  • Kaminski, J., Pitsch, A. & Tomasello, M. (2013). Dogs steal in the dark. Animal cognition, 16 (3), 385-394.

 

         oder im Internet:

 

 

 

 

Kommentare

Valentina
20.12.2016 11:47

Toller Beitrag :)

Nur was, wenn der Hund zu gut erzogen ist um in meiner Abwesenheit was verbotenes zu nehmen? Is er jetzt dumm oder brav? ;)

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