07.12.2016
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Auch wenn es Tage gibt, an denen ich es manchmal fast vergesse: Alma ist gerade in den letzten 12 Monaten eine richtige Oma geworden. Sie wird von Tag zu Tag tüdeliger, entwickelt komische Angewohnheiten, wie beispielsweise den Wechsel der Straßenseite, den sie um jeden Preis durchsetzen möchte, nur weil wir ein einziges Mal an dieser Stelle die Straße überquert haben. Sie hört schlechter, was nicht nur an ihrer Erziehung liegt und hat zuweilen starke Rückenprobleme. Neben all den körperlichen Wehwehchen merke ich immer mehr, dass ihr große Runde gar nicht mehr so gut tun. Nach einem gemütlichen Spaziergang von anderthalb Stunden verpennt sie den ganzen Tag. In unserem Alltag ist Alma zu einer echten Langschläferin mutiert. Vor 10.00 Uhr verlassen wir meistens nicht das Haus, um zur Morgenrunde aufzubrechen, es sei denn, ich habe Frühschicht.

Unser Leben hat sich verändert, es ist in vielen Momenten sehr entschleunigt. Vor einem Jahr ist Alma noch zwei Stunden am Stück neben dem Fahrrad hergelaufen – heute schafft sie das natürlich nicht mehr. So haben wir das Fahrrad für gemeinsame Unternehmungen an den Nagel gehangen. Von Zeit zu Zeit vermisse ich unsere Drahtesel-Touren. Sie haben uns beiden unglaublich viel Spaß bereitet. Alma war am Ende eine routinierte, souveräne und virtuose Begleitung und sie war eine begnadete Läuferin, die den gleichmäßigen Trab über alles liebte. Zusammen haben wir so viele Ecken unserer Stadt erkundet und viele Ziele unserer alten Heimat, wie etwa die Trogbrücke bei Magdeburg, erreicht.

Es war für mich in den letzten Monaten gar nicht so einfach, einen neuen Rhythmus zu finden. Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, dass wir nicht mehr drei Stunden am Tag durch Wald und Wiesen stromern, sondern nun auch kleine Couchpotatos sind. Die Runden zu verkürzen war der erste Schritt in Richtung eines seniorengerechten Alltages. Schnell musste ich jedoch feststellen, dass ich die neu gewonnene Zeit dann jedoch leider häufig für den Haushalt aufgebracht habe. Natürlich gab es Kuscheleinheiten, aber wir haben diese nun für mehr häusliche Quality-time noch weiter intensiviert! In den Wintermonaten habe ich Alma sowieso mehr im gemütlichen Wohnzimmer beschäftigt, da sie seit jeher kälteempfindlich ist. Doch nun gehören kleine Spielchen, wie das Apportieren verschiedener Gegenstände aus einer Kiste und das darauffolgende Aufräumen, zu unseren regelmäßigen Indoor-Ritualen. Nur weil der Hund alt wird, heißt es eben nicht, dass wir ihn auch länger alleine lassen können. Alma genießt unsere Kuschelzeiten, es reicht ihr oft nicht aus, wenn wir uns im gleichen Raum aufhalten, sondern sie sucht den engen Körperkontakt (Ich sitze übrigens gerade neben ihr auf der Couch, nachdem sie mich minutenlang angeguckt hat.).

Mit zunehmendem Alter müssen wir uns also immer wieder neu auf unsere Hundeomas- und –Opas einstellen. Einige Sachen werden uns dabei leichter fallen, bei anderen brauchen wir länger, um Rhythmus und Routine zu entwickeln. Ohne Fehler wird das den Wenigsten gelingen. Es gab in den letzten Monaten so viele Situationen, in denen ich im Nachhinein gerne anders reagiert hätte, wie etwa die Interaktion mit einigen Hunden, die zwar freundlich waren, aber Almas Rücken eben nicht gut getan haben oder wieder einmal eine zu große Runde. Aber man wird in diesen Dingen von Tag zu Tag besser. Ich blicke manchmal etwas wehmütig auf Almas jüngere Version zurück, weil es viele Sachen gibt, die sie einfach nicht mehr kann, die sie aber so sehr geliebt hat. So freue ich mich eigentlich, dass ich sie jetzt fast überall freilaufen lassen kann, aber auf der anderen Seite ist das eben nur möglich, weil sie ihre Jagdausflüge schlichtweg nicht mehr schaffen würde und sich dessen (Gott sei Dank) selbst bewusst ist.

Trotzdem ist das Alter für uns beide ein Geschenk! Vielen Hunden ist dieser Lebensabschnitt durch Krankheit und frühzeitigen Tod verwehrt und deshalb bin ich sehr dankbar, dass neben mir eine schlummernde Oma liegt!

 

In diesem Sinne wünschen wir euch einen erfüllten Tag!

 

Eure Anja und Frau Alma  

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