02.12.2016
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Ich habe das tollste, gemütlichste, weichste, gesündeste und teuerste Hundebett der Welt jetzt gefühlte tausendmal in den Warenkorb geklickt, bin mehrere Male selbstsicher zur virtuellen Kasse gegangen und habe dann genauso oft den Onlineshop wieder mutlos verlassen. Hier hört der Spaß einfach auf, appelliert mein Gewissen. Das Engelchen auf meiner Schulter säuselt mir ins Ohr, dass es doch aber für meinen Hund sei. Wer weiß, wieviel Zeit uns noch bleibt und außerdem, er soll es doch gut haben. Für mich sind es ja nur 12, 13, 14 Jahre, für ihn jedoch sein ganzes Leben. Und obendrein – es ist ein Tierheimhund! Versteht ihr – ein Tierheimhund! Mein Gewissen unterbricht an dieser Stelle erneut das verheißungsvoll säuselnde Stimmchen: Es gibt einfach zu viele Fakten, die dagegen sprechen! 1. Wir haben Hundebetten! Die Betonung liegt hier eindeutig auf der Mehrzahl. 2. Der Monat hat noch (oder optimistisch gesehen: nur noch) 29 Tage, mit dem Kauf eines Bettes würden wir also den restlichen Monat mit Stulle und Brot überleben müssen.

Mooooooment! Ich habe ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden! Zum einen brauchen (!) wir ein neues Hundebett. Das alte Bett zieht ja nun mal zwangsläufig zu den Eltern meines Freundes – der Hund muss schließlich überall (!) bequem, kuschelig, gesund und gemütlich liegen können. Und nein, wir müssen an dieser Stelle nicht schon wieder diskutieren, ob das für Pi mal Daumen fünf Nächte im Jahr notwendig ist! Zum anderen – wer hat eigentlich gesagt, dass ich Stulle mit Brot nicht mag?

Während sich mein Gewissen und das lieblich verwundbare Engelchen immer noch einen Schlagabtausch vom Feinsten liefern, spitzt sich die Lage zu Hause immer weiter zu! Jetzt fängt der Hund in seinem Bett auch noch an zu schnarchen. Ich gehe jede Wette ein, dass das an dem viel zu hohen Rand des Bettes liegt. Bestimmt! Es besteht kein Zweifel mehr! Hab ich’s mir doch gleich gedacht, das Bett macht krank. Es macht uns alle krank!

Eine Lösung muss her und just in diesem Augenblick geschieht tatsächlich ein Wunder. Als ich also gerade im Begriff war, das Handtuch zu werfen und aufzugeben, bekomme ich den erlösenden Anruf. Ich werde von einer freundlichen, männlichen und mir bekannten Stimme aufgefordert, einen Wunschzettel abzugeben. Weihnachten! Noch vier Wochen! Mit tiefster Überzeugung schreibe ich nur ein einziges Wort auf das jungfräuliche DIN A4 Blatt – HUNDEBETT. Mein Wunsch wird sogleich strikt abgelehnt. Ich solle mir etwas für MICH wünschen! Ich verstehe diese Aussage nicht und lege einen schriftlichen Widerspruch in Form eines SMS-Bombardements ein. Es sei ja schließlich zum Wohle des Hundes und wenn dieser glücklich ist, bin ich es auch. Gesundheit und Glück mit Hund kann man eben nicht erkaufen (das Argument zieht fast immer), außer vielleicht mit einem Bett. Man(n) gibt sich geschlagen, endlich. Wenn das neue Bett erst einmal im Wohnzimmer steht, wird er es früher oder später nicht nur akzeptieren, sondern auch lieben lernen. Er wird recht schnell erkennen, welchen Mehrwert das neue Bett für uns alle hat. Das war ja bisher immer so! Aus versöhnlicher Solidarität versende ich zur Auswahl zwei Farbvarianten, die mir beide gefallen. Natürlich habe ich einen Favoriten. Es war klar, dass ER natürlich einen anderen Favoriten hat. Das hab ich mir doch gleich gedacht. Ich versuche also noch einmal, die optischen Vorzüge meiner Farbvariante logisch darzulegen. Scheinbar ermüden Männer bei diplomatischen Gesprächen. Nach zehn Minuten regen Austausches von höflichen Floskeln, naheliegenden Argumenten und harten Fakten, geben sie auf. Früher oder später fallen sie alle um wie die Fliegen! Das letzte Wort habe nicht ich, sondern ER: Die Entscheidung liegt bei DIR! Ich hab’s doch gleich gesagt, meine Farbvariante passt besser. Mein Gott, war das heute wieder schwer für ihn, diesen Satz über die Lippen zu bringen! Ein Bettenkauf ist doch nun wirklich kein Staatsakt!

Das Gewissen auf meiner Schulter sitzt jetzt auf der „stillen Treppe“. So viel Theater um Nichts. Das Engelchen säuselt, während es aufgeregt mit seinen Flügeln schlägt: Bestellen! Bestellen! Bestellen! Jetzt! Gleich! Sofort! Wie ich diese Käufe ohne Gewissen liebe: IN DEN WARENKORB LEGEN - ZUR KASSE GEHEN - KOSTENPFLICHTIG BESTELLEN - VORAUSSICHTLICHE LIEFERZEIT 2-3 WERKTAGE - EXPRESSVERSAND MÖGLICH! JACKPOT! 

Zehn Minuten später bekomme ich erneut eine SMS. Ich solle doch noch meinen Wunschzettel für die Schwiegereltern in spe schreiben! Ich tippe zurück: Seitenschläferkissen. Eine SMS später: Die gibt’s gerade bei Lidl im Angebot, sind gar nicht teuer!

 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen hemmungslosen Start in das bevorstehende Adventswochenende!

 

Eure Anja und Frau Alma  

 

Kommentare

Claudia
02.12.2016 07:19

Es weihnachtet sehr. GRINS lg Claudia

Nicole & Moe
02.12.2016 08:23

Großartig!!!

Ach ja, diese fiesen Hundeshops. Ich MUSS ja jetzt weniger kaufen. Nicht immer gelingt mir das. Allerdings setze ich eher auf die Fresspakete, da kann das Herrchen üüüüberhaupt nichts sagen, denn Naschi brauchen wir immer. :-D

 

Wunderbar geschrieben!

 

Liebe Grüße

Nicole

Nadine & Alfi
02.12.2016 09:54

Oh ja, das kenne ich nur zu gut! :D
Man will ja nur das Beste für den Hund... der hat oft Rückenschmerzen, darum muss das Hundebett her, dass fast 200€ kostet... so viel würde man für sich nicht ausgeben... jaja... wir kennen das! :D

Roveena
02.12.2016 19:08

Ich habe Tränen gelacht. Einfach herrlich beschrieben von dir. Das kann jeder nachvollziehen. Wobei ich mittlerweile an Halsbändern, Leinen und Geschirren vorbei gehen kann. Es musste nur praktisch sein und gut sichtbar auf dem schwarzen Hund. Haben wir aktuell und davon reicht eine Ausstattung aus. 

Ein 3. Hundebett habe ich mir ausgeredet. Aaron schläft eh viel lieber auf der Fußbodenheizung im Bad, ohne Bett und Decke.

Ein Spielzeug bekommt er ab und an noch und Futter :-)

liebe Grüße

Sandra und Aaron

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