24.11.2016
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Ich bin müde. Genauer gesagt bin ich Gruppenmüde. Dabei erinnern mich jeden Tag aufs Neue die News Feeds meines Facebook-Accounts, dass auch ich immer noch Teil der unterschiedlichsten Gruppierungen und Gemeinschaften bin. Wie Seifenblasen ploppen ihre Lebenszeichen in meinen Benachrichtigungen auf und zerplatzen beim Scrollen in der Ansammlung von Fotos, Beiträgen, geteilten Inhalten und Emoticons - jeden Tag!

Aktuell bin ich in 33 Gruppen mehr oder weniger aktiv und passiv vertreten. Vorsichtshalber habe ich gerade noch einmal nachgeschaut – sicher ist sicher – denn ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Schon allein das sollte mir zu denken geben!

In vielen Gruppen bin ich aktiv eingetreten, in andere nur, weil mir beispielsweise ein Beitrag gefallen hat, ein Foto meine Aufmerksamkeit weckte oder mir die Gruppe von einem Freund vorgeschlagen wurde. Es gibt genauso viele Möglichkeiten Mitglied einer Gruppe zu werden, wie Möglichkeiten, sich im Gruppengeschehen einzubringen: aktiv, passiv, abwartend, als stiller Mitleser, als scharfer Kritiker, verständsvoller Fragesteller oder Klugscheißer. Bedingt durch Almas Krankheiten, habe ich ein sehr breites Repertoire an Gruppen, die für mich in Frage kommen: die Gruppe für chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Schilddrüsenerkrankungen, Inkontinenz, Systemische lupoide onychodystrophie (für Gruppenexterne: es handelt sich hierbei um eine Krallenerkrankung), die Gruppe für Krebserkrankungen bei Hunden und nicht zu vergessen die Gruppe für Hunde mit Epilepsie etc. Ich selber war Teil all dieser Gruppen. Warum? Weil ich mich informieren und austauschen wollte, weil ich von vielen Erkrankungen zu Anfang keinen blassen Schimmer hatte und einfach mehr erfahren wollte. In manchen Gruppen blieb jedoch bei mir nur Kopfschütteln zurück. Ich habe erlebt, wie betroffene Hundehalter untereinander Blutparameter, Röntgenbilder auswerteten und Medikationen empfahlen. Ich las wie einer Hundehalterin geraten wurde, lieber einen Tierheilpraktiker aufzusuchen, da die Schulmedizin eh nichts bringe und sich man den Gang zum Tierarzt sparen sollte. Das hat mich zu tiefst schockiert und wütend gemacht. Leichtfertig wird die Krankengeschichte eines Hundes beraten, teilweise von Leuten ohne jegliche medizinische Ausbildung und Kenntnis.

Meine erste Amtshandlung in einer Gruppe, die ich an dieser Stelle lieber nicht nennen möchte, war es, Almas Blutwerte zur Diskussion zu stellen. Wie dumm von mir! Zugleich wurde ich darauf hingewiesen, dass die Werte nicht korrekt sein könnten, da das Blut hämolytisch wäre. Am nächsten Tag rief ich also überaus aufgebracht in dem zuständigen Labor an. Man erklärte mir, dass es auf das Analyseverfahren ankäme und in meinem Fall die Werte aussagekräftig seien. Ich erlebte, wie Besitzern von Hunden mit Bauchspeicheldrüsenentzündung Tipps gegeben wurde, nur einmal am Tag eine große Mahlzeit zu füttern. Alles andere wäre zu viel Arbeit für Magen, Darm und eben auch für die Bauchspeicheldrüse. Die gutgemeinten Ratschläge basierten Zuweilen auf Halbwissen (in vielen Fällen kann man schon gar nicht mehr von Halbwissen sprechen) und aufgeschnappten Weisheiten. Viele Diskussionen denen ich folgte, machen ich bis heute fassungslos.

Ich habe den Gruppen, in denen immer wieder mit solchen Ratschlägen um sich geworfen wird, den Rücken gekehrt – war ganz einfach, ein Klick genügte und mein Abschiedsschmerz hielt sich in Grenzen.

Die Diagnostik einer Krankheit von Laienhand empfinde ich persönlich als Anmaßung! Damit meine ich jedoch keinesfalls die Gespräche betroffener Hundebesitzer über eine Krankheit, den Austausch, wie er etwas in der Gruppe über die seltenere Krallenerkrankung (SLO) stattfindet. Es gibt Hundebesitzer, die eben auch verunsicherter sind, Dinge nicht genug hinterfragen und sich an diesen wilden Diagnosen etc. orientieren. Das kann für den Hund mehr als gefährlich werden! Ich selber habe hinterfragt und bin für mich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich in den meisten Fällen lieber an anderer Stelle informieren möchte. Ich empfehle dazu die Veröffentlichungen wie etwas der Tierärztlichen Hochschule Hannover (z.B. Dissertationen) zu speziellen Themen der einzelnen Fachgebiete. Keine Angst, man muss nicht gleich 150 Seiten Fachliteratur durchwälzen, aber am Anfang dieser Arbeiten wird meistens immer ein kurzer Überblick über das Thema, inklusive des aktuellen Forschungsstandes, gegeben.

Das Lesen in dieser Fachliteratur hat zum einen den Vorteil, dass ich wirklich sachkundige Informationen erhalte und zum anderen, dass ich schier endlosen Diskussionen aus dem Weg gehe, die nicht selten im Schlagabtausch über fundamentale Grundsätze enden. Also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Und dann gibt es selbstverständlich auch die andere Seite der Medaille: Gruppen, in denen ich mich wohlfühle, deren Beiträge ich gerne lese und verfolge und in denen ich viele (Facebook)Freunde gefunden habe. Der Austausch ist angenehm, höflich, die Kritik konstruktiv und erfrischend. Gruppen haben eben auch ihre guten Seiten: Man trifft auf Gleichgesinnte, kann sich über Sorgen, Probleme austauschen und freut sich miteinander über Erfolge und Fortschritte im Kleinen wie im Großen.

Wie man Gruppenmüdigkeit am besten den Kampf ansagt? Facebook öffnen, Gruppen durchforsten und vielleicht die ein oder andere Gruppe von der Liste streichen. Dann hat man vielleicht auch wieder Lust, sich aktiver in eine andere Gemeinschaft einzubringen und das ist dann am Ende für alle gewinnbringend!

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr unserer Lesegruppe gewogen bleibt!

 

Eure Anja und Frau Alma

Kommentare

Nina
24.11.2016 21:12

Sehr schön. Kann ich so gut verstehen. Ich habe so viele Gruppen gehen lassen und es tat gut ;-)

Frau Alma
24.11.2016 22:06

@Nina Manchmal ist eben richtig befreiend! ;)

Mutti
25.11.2016 10:34

Liebe Anja, das hast du sehr gut geschrieben und ich stimme dir vollends zu.

Heute sollte jeder seinen Weg gehen können den er für richtig hält ohne sich ständig in der Öffentlichkeit erklären zu müssen.

Seid Beide gegrüßt

Herzlichst deine Mutti

 

Mutti
25.11.2016 11:24

Sorry, mein Kommentar ist unter dem falschen Thema, bitte gedanklich neu einordnen, Anja, du weißt schon wo...

bis bald Mutti

 

Sabine
04.12.2016 11:12

ich kann das sehr gut verstehen... mir ging es oft genau so! Seit diesem Jahr gucke ich einmal im Monat, wo ich seit 4 Wochen nicht mehr drin war und trete aus. Vermisst habe ich bisher nichts!

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