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Es gibt einige Sachen, die mich in Hinblick auf Alma und der Tatsache, dass ich sie bereits als erwachsenen Hund kennengelernt habe, doch ein wenig wehmütig werden lassen. Da wäre zum einen, dass ihre Vergangenheit wie ein Buch mit sieben Siegeln vor mir liegt, dessen Inhalt nur sie allein kennt. Es gab einfach nicht mehr Informationen als den Bericht der Feuerwehr, die Frau Alma am Rande einer Landstraße einsammelte. Auch weiß nicht, wie sie als Welpe ausgesehen hat, welche Erfahrungen sie geprägt haben und unter welchen Umständen sie groß geworden ist. Ich kann nur vage Vermutungen darüber anstellen, welche Gründe zu ihren damaligen, teilweise sehr massiven Verhaltensauffälligkeiten beigetragen haben. Manchmal frage ich mich, wie es dazu gekommen ist, dass sie alleine auf der Straße umherirrte und sie niemand in den umliegenden Tierheimen suchte. Statt Almas Geburtstag feiern wir heute zusammen unseren Home-Coming-Day, gewiss ist sie darüber nicht traurig, aber die Fragen bleiben auch nach all den Jahren - wie alt ist Frau Alma eigentlich wirklich? Wie viele Geschwister hat sie und sehen die vielleicht sogar genauso aus? Wer waren ihre Eltern und welche Rolle nahm Alma damals in ihrem Rudel ein?

 

... großes Rätselraten und mühevolle Detektivarbeit ohne Erfolg 

 

Am Anfang versuchte ich Licht ins Dunkel zu bringen und recherchierte im Internet, vielleicht gab es ja in irgendeinem Forum eine Suchmeldung oder einen alten Beitrag über einen Hundewurf? Natürlich war es ausweglos und ich gab meine Recherchetätigkeit auf. Wenn ich schon nichts Näheres über Almas Herkunft ausfindig machen konnte, dann sollte es doch zumindest möglich sein, ihr ungefähres Alter zu bestimmen! Dass eine Altersbestimmung bei Hunden anhand der Zähne möglich ist, konnte ich in Erfahrung bringen. Beim Tierarzt erfuhr ich dann jedoch, dass man relativ junge Hunde sowie sehr alte Hunde relativ genau anhand ihres Zahnstatus identifizieren kann, dazwischen jedoch sozusagen ein Niemandsland liegt, da u.a. der Zahnstatus stark von der Ernährung, der Haltung etc. abhängig ist. Eine genaue Aussage über Almas Alter konnte also auch nicht getroffen werden.

Es frustrierte mich schon, dass ich so gar nichts über Alma sagen konnte. Ich wurde oft auf unseren Gassierunden von Spaziergängern angesprochen, die mich nach Almas Alter, ihrer Rassezugehörigkeit etc. fragten. Was blieb, war ein Schulterzucken und Rätselraten. Dass Alma ein Mix ist, ist unschwer zu erkennen, aber was wirklich in ihren Genen steckt dafür umso mehr. Die Spekulationen reichten vom Border Collie bis hin zur Deutschen Dogge und schlossen den Labrador genauso ein, wie einen Pointer. Ich wollte es also genau wissen und entschloss mich daher, einen Gentest in Auftrag zu geben! Aus purer Neugierde und bloßem Interesse!

 

... 38 Paare an Autosomen und ein Paar Geschlechtschromosomen bilden das Genom unserer Hunde

 

Gen-Tests für Hunde gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Sie werden von den unterschiedlichsten Firmen zu unterschiedlichsten Preisen angeboten und beinhalten mitunter auch verschiedene „Leistungen“. Aus der DNA des Hundes wird ein genetisches Profil erstellt, das mit den einzelnen DNA-Profilen bestimmter Hunderassen verglichen wird. Das Genom eines jeden Hundes besteht dabei aus 38 autosomalen Chromosomenpaaren und einem Geschlechtschromosomenpaar. Für den Abgleich der DNA mit der DNA der einzelnen Hunderassen, werden bis zu 300 sogenannte genetische Marker miteinander verglichen. Das sind bestimmte Abschnitte im Genom eines Hundes, die u.a. von Rasse zu Rasse variieren können und den Vererbungsregeln unterliegen. Es ist damit möglich, Rassekomponenten bei Mischlingen zu bestimmen. Wissenschaftler des „Waltham Centre for Pet Nutrition haben über 1500 Marker bestimmt, die die 38 Autosomen des Hundes abdecken. Studien  ergaben, dass genetische Muster innerhalb der Rassen existieren und so auch unbekannte Proben (z.B. Frau Almas DNA) diesen Rassen zugeordnet werden können (Binns 2007; Lindbladtoh et al. 2005). Je nachdem, wie viele DNA-Proben reinrassiger Hunde in der Referenzdatenbank des Anbieters zum Vergleich zur Verfügung stehen, ist die Trefferwahrscheinlichkeit am Ende höher und der Test damit aussagekräftiger oder aber das Ergebnis ist eher mit Vorsicht zu genießen. Mittlerweile gibt es Anbieter, die weit über 200 DNA-Proben unterschiedlicher Hunderassen in ihre Datenbank aufgenommen haben. So viel zur Theorie, wenn auch nur als Kurz-Überblick. In der Praxis sah der Test für Alma und mich dann aber doch recht unspektakulär aus.

 

... einmal das Mäulchen öffnen bitte!

 

Der Schlüssel zur Erkenntnis kam in einem kleinen Paket. Neben Informationsmaterial und Einmalhandschuhen für Frauchen, lag der Sendung ein steriles großes Wattestäbchen bei. Mit diesem sollte ich später von Almas Mundschleimhaut einen Abstrich nehmen. Anhand des Abstriches würde dann Almas DNA gewonnen werden. Gesagt getan. Die Angelegenheit war schnell und schmerzlos erledigt und ganz aufgeregt brachte ich das Päckchen zur Post. Die spannende Wartezeit überbrückte ich, indem ich Wetten mit Freunden und Kommilitonen darüber abschloss, welche Rassen wohl bei Alma mitgemischt haben.

 

... von umtriebigen Eltern und einer kleinen Überraschung

 

Nach ca. vier Wochen kam dann die Auflösung! Die Rassen, deren spezifische Marker anhand des DNA-Vergleiches festgestellt werden konnten, waren in 3 Kategorien unterteilt: Rassen der Kategorie 1 wiesen darauf hin, dass der Mischling von dieser Rasse „dominiert“ wird. Wird dem Mischling in dieser Kategorie eine Rasse zugewiesen, kann man eventuell davon ausgehen, dass z.B. ein Elternteil reinrassig war. Frau Almas DNA wurde in dieser Kategorie keine Rassen zugeordnet. Es ist damit anzunehmen, dass bereits ihre Eltern Mischlinge waren.

Aber weiter zur Kategorie 2, denn jetzt wird es spannend! In dieser Kategorie wurden Rassen gelistet, die einen deutlichen Anteil an der DNA des Hundes haben und noch leicht nachweisbar sind. Bei Frau Alma wurde in dieser Kategorie der Kleine Münsterländer aufgezählt. Also endlich mal eine Erklärung für ihren starken Jagdtrieb und ihre Ausdauer!

Die dritte Kategorie beinhaltet Rassen, die einen sehr geringen Einfluss auf das Genom des Hundes haben und die nur noch in Spuren nachgewiesen werden können. Und genau in dieser Kategorie hat Frau Almas DNA für ein wahres Feuerwerk an Amüsements gesorgt! We proudly present in Kategorie 3: den Deutschen Schäferhund, Rottweiler, Dackel, Clumber Spaniel, Boxer und Irish Setter. Oh Mann, Almas Vorfahren scheinen wirklich keine Kinder von Traurigkeit gewesen zu sein.

 

 

So lustig das Ergebnis auch ist, ein wenig geahnt habe ich den Kleinen Münsterländer ja schon von Anfang an. Dafür sprachen nicht nur Almas Jagdgelüste, sondern auch ihre Ohren, die weißen Abzeichen und die Blässe am Fang sowie der Ansatz eines Beinbehanges (Ich liebe ihre kleinen, weißgrauen Höschen!).

Wirklich viel haben das Ergebnis und das Wissen um Almas genetische Zusammensetzung natürlich nicht verändert, aber es ist einfach ein schönes Gefühl, wenigstens eine Antwort von so vielen Fragen erhalten zu haben. Zumindest an dieser Stelle konnte ich Almas Buch mit den sieben Siegeln aufschlagen, auch wenn die Rasse am Ende gar keine Rolle spielt. Die anderen Kapitel werden wohl für immer Almas Geheimnis bleiben.

 

In diesem Sinne wünschen wir euch einen spannenden Tag und eine aufschlussreiche Restwoche!

 

Eure Anja und Frau Alma

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