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Ich oute mich – hier und heute: Ich bin schon lange KEIN mit dem Clicker wetteifernder Hundebesitzer und KEIN Wattebäuschchen-Werfer mehr!

Frau Alma und ich waren zu Beginn unseres Zusammenlebens in dieser Vereinigung organisiert, schließlich hat jeder eine Orientierungsphase verdient. Was habe ich mir nach unserer Aufnahme in den Clicker-Club (kurz CC) die Finger wund geclickert: Sitz – CLICK, Platz – CLICK, ein neuer Trick – CLICK, andere Hunde – CLIIIIIIIIIIIICK! Der Clicker war praktisch mein bester Freund, ständiger Begleiter, Sorgenfresser. Aber ganz ehrlich? Er hat versagt! Ich höre schon wie jetzt ein Raunen durch die Reihen Clicker-begeisterter Hundebesitzer geht. Ich fühle alle Blicke auf mich gerichtet, also eigentlich auf uns, Frau Alma trägt ja schließlich zur Misere bei! Denn so einem Clicker sagt man ja schließlich nach, in so ziemlich jeder Lebenslage, und sei sie noch so schief, die passenden Geräusche liefern zu können.

Wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist, gibt es keine Alternative als die schonungslose Ursachenforschung: Warum haben wir versagt? Ein Clicker ist in der Tat praktisch – für eine gute Konditionierung. Neue Tricks lassen sich wahnsinnig schnell einstudieren, aber ein Clicker kann eines nicht – und das ist Grenzen zu setzen und personelle Sicherheit geben! In unseren ersten zwei gemeinsamen Jahren war Alma vor allem eines: ungehalten und aggressiv gegenüber anderen Hunden. Es reichte schon ein Hund auf der anderen Seite der vierspurigen Bundesstraße und sie rastete aus. Über ihre Gründe kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Beim Ausrasten blieb es nicht, denn es gab Beißvorfälle, gerade dann, wenn sie an der Leine von einem freilaufenden Hund beschnüffelt oder bedrängt wurde. Unsere erste Strategie: alle Hunde schön zu clickern! Die Clickergeräusche nahm sie jedoch schon wenige Sekunden vor ihrem Ausbruch nicht einmal mehr war. Also neuer Versuch und Strategiewechsel: Ich clickerte immer dann, wenn Sie mit ihren Blicken bei mir blieb, anstatt ihre Todesdrohungen durch den Raum zu telepathieren. So sehr ich mich auch bemühte, wir schafften es nicht. Seitdem halte ich einfach nichts mehr davon, alle Verhaltensprobleme dieser Welt durch einen Click zu therapieren. Im Übrigen lässt es sich am anderen Ende der Leine auch schlecht ausmachen, ob die eigene explosive Wunderwaffe nur guckt oder etwa schon fixiert. Das soll nicht bedeuten, dass es an anderer Stelle mit anderen Hauptdarstellern nicht auch bessere und erfolgreichere Beispiele gibt.

Es war am Ende wahrscheinlich schließlich eine Mischung aus verschiedenen Ansätzen, die zur Lösung unseres Problems führte. Was Frau Alma aber besonders half, waren klare Grenzen, innerhalb derer sie sich bis heute frei bewegen kann! Grenzen geben ihr einfach Sicherheit. Noch heute wird sie unentspannter, wenn sie beispielsweise mit meinen Eltern unterwegs ist, die ihr (wie „Oma“ und „Opa“ nun mal so sind) mehr Freiheiten überlassen.

Bin ich streng? Nein, ich bin einfach nur konsequent! Frau Alma weiß sehr genau, was sie sich erlauben kann und wo mein Spaß aufhört. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, Frau Alma erfährt keine Gewalt, aber anhand meiner Stimmlage erkennt sie schon sehr genau, wann der Bogen überspant ist und wann es Zeit wird, die Ohren wieder anzuschalten. Natürlich wird sie nicht gemaßregelt, wenn sie einen aufdringlichen Hund angemessen in die Schranken weißt, aber Pöbeln auf einer Entfernung von 50 Meter oder mehr ist einfach tabu! Dafür hat sie aber auch gelernt, dass ich ihr andere Pelzträger so gut es geht vom Leib halte.

Die klaren Grenzen und vor allem ihre konsequente Umsetzung ermöglichen uns ein tiefenentspanntes Leben. Korrigieren muss ich Frau Alma wirklich selten und wenn ja, reicht eine einfache „Bemerkung“ aus. Es ist einfach alles geklärt, was es zu klären galt! Frau Alma hat in der Tat viele Freiheiten: Sie darf in alle Räume, hat ein lebenslanges Bett- und Couch-Recht, sie entscheidet oft, welche Runde wir gehen usw. Aber wenn ich möchte, dass sie beispielsweise hinter mir bleiben soll, dann ist das einfach nicht verhandelbar. Wir leben beide sehr gut mit dieser Vereinbarung.

In den letzten 6,5 Jahren gab es immer wieder Situationen, die für uns beide unangenehm waren und für Alma teilweise auch schmerzhaft. Beispielsweise wurden ihr bei so manchem Tierarztbesuch, kranke Krallen gezogen oder die offenen Krallenbetten mussten versorgt werden. Solche Situationen kann man einfach nicht schön clickern. Wenn Alma einshampooniert 10 Minuten lang warten muss, bis das medizinische Shampoo vollständig eingewirkt ist, kann ihr kein Mensch der Welt das Blaue vom Himmel erzählen - ich meine natürlich clickern.

So ganz in der Versenkung verschwunden ist der Clicker dann aber doch nicht. Für unser neues Hobby „Do as I do“ eignete er sich nämlich anfangs hervorragend und das dürfte dann auch wieder alle Clicker-Liebhaber erfreuen!

 

Mit oder ohne Clicker, wir wünschen euch eine erlebnisreiche Woche!

 

Eure Anja und Frau Alma

 

 

 

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