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Ganz ehrlich – anfangs habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, welche genetische Veranlagung Frau Alma mitbringt und welche Herausforderungen damit auf mich zukommen würden. Sie entsprach doch meinen Kriterien: weiblich, mittelgroß, kurzhaarig, geeignet zum Am-Fahrrad-Laufen, nicht zu jung und nicht zu alt (Ich dachte, die kostspieligen Krankheiten würden sich vielleicht erst mit dem Alter zeigen und bis dahin wollte ich eigentlich schon längst mit dem Studium fertig sein.)

Aber schon in der ersten Woche unseres Zusammenseins zeigte sich, dass Alma eine Jägerin ist – durch und durch! Schnell war klar, dass es eben nicht möglich ist, sie wie andere Hunde abzuleinen, denn das endete immer mit einer mehrstündigen Suchaktion, einem verzweifelten Frauchen und entnervten Hundefreunden. Auf Alma war einfach kein Verlass – und es war einfach zu gefährlich – für andere Tiere (meist für Rehe) und für Alma selbst, wusste man doch nie, welchen Weg sie nehmen würde, ob sie über eine Straße lief oder sich vielleicht verirrte.

Wie oft bekam ich von anderen Hundebesitzern den Ratschlag: „Warte einfach da, wo sie weggelaufen ist, dahin kommt sie zurück!“ Nun gut, das funktionierte bei Alma nicht immer. Eigentlich versuchte sie nach ihrem Ausflug immer nach Hause zu gelangen, was sich natürlich mitten in der Stadt, als noch gefährlicher herausstellte.

Schnell stand also fest, dass wir TRAINIEREN müssen! AJT, ACME, Fährten, Rückruftraining, Würstchenbaum, Schleppleinen, Felldummys, Pocketdummys, Futterdummy, Steadiness, Trainingsstunden bei erfahrende Hundetrainern ... das gehört längst zu unserem Grundvokabular und war fest in unseren Tagesablauf integriert.

Aber hat es geholfen?

JA, denn wir haben dadurch eine Menge Spaß gehabt und es hat mir ermöglicht eine BINDUNG zu Alma aufzubauen.

und

NEIN, denn es hat Frau Alma NICHT abgehalten, zu jagen! Denn ihr Jagdtrieb wurde nicht erst durch permanente Langeweile, auf Grund fehlender Auslastung oder durch fehlende Bindung geweckt, sondern war für sie einfach eine Freude, ein Grundbedürfnis.

Niemand würde auf die Idee kommen, einem Hütehund oder einen Treibhund seine genetischen Verhaltensweisen abtrainieren zu wollen. Warum auch, meist sind sie ja nicht störend, wenn nicht gerade Kinder oder Autoreifen „zwangsgehütet“ werden. Bei einem Jagdhund sieht das Ganze jedoch völlig anders aus, es sei denn, er wird wirklich als Jagdhund geführt.

Rückblickend denke ich, dass es für Alma und mich entspannter, erfolgreicher und harmonischer gewesen wäre, hätte ich die ersten Jahre (!!!) nicht versucht, ihr in jeder erdenklichen Situation das Jagen abzugewöhnen. Das bedeutet nicht, dass ich im Nachhinein auf so manche Trainingseinheit verzichten würde, warum auch, es hat uns ja beiden Freude gemacht! Aber ich akzeptiere heute einfach, dass ich sie eben nicht überall ableinen kann (es gibt in der Tat nur relativ wenige Stellen). Ich empfinde es auch nicht mehr als persönliche Beleidigung, wenn sie das Reh dem Dummy vorziehen würde, denn für sie ist ein Dummy kein ERSATZ, sondern hat mit ihrer Art zu jagen wahrscheinlich sehr wenig zu tun. Und ich breche nicht mehr in Tränen aus, wenn es Zeiten und Orte gibt, an denen ich draußen nicht mehr ganz so wichtig bin (Mal ganz ehrlich, so eine frische Wildschweinspur ist ja auch ein Highlight!)

Gott sei Dank, habe ich es irgendwann einfach aufgegeben und bin nicht mehr dem Zwang gefolgt, meinem Hund das Jagen ausreden zu wollen. Spaziergänge waren von da an nicht mehr nur von Trainingseinheiten bestimmt. Manchmal laufen wir zusammen durch die Prärie ohne etwas zu sagen und jeder ist dann auch mal mit seinen Gedanken und seinen Instinkten ganz für sich alleine. Das hat uns nicht entzweit, sondern uns im Gegenteil viel näher zusammenwachsen lassen. 

Und es gibt durchaus Alternativen: Regelmäßig gehen wir beide zum Nutria-Watching (Frau Alma ist ja meistens extrem wasserscheu, also besteht keine Gefahr!), oder wir beobachten zusammen Eichhörnchen, Almas zweite große neue Leidenschaft. Das finde nicht nur ich lustig und interessant, sondern kommt Almas „Jagdgelüsten“ auch sehr entgegen. Es ist wie mit der Schokolade, ganz darauf verzichten soll man ja auch nicht!

 

Wir wünschen euch einen guten Start in die neue Woche! Vielleicht bringt euch euer Hund ja auf die ein oder andere Fährte, die ihr alleine nie entdeckt hättet!

 

Eure Anja und Frau Alma

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